Italienisch für Anfänger

Italienerin oder Italiener zu werden, ist gar nicht so einfach. Zehntausende von Einwandererkindern können ein Lied davon singen, denn nicht nur die Rechte weiß es hartnäckig zu verhindern, dass sie mit der Geburtsurkunde auch die Staatsbürgerschaft bekommen. Auch die Linke drückt sich seit Jahren um das Ius Soli. Bürgerrechte für alle scheinen für die Gemeinschaft riskant zu sein, also bleibt der italienische Pass ein Privileg. 

Außer für Fußballer. 

Vor allem für Profis aus Südamerika ist es sehr nützlich, wenn Uroma aus Kalabrien nach Argentinien eingewandert ist. Durch die Ahnen ist Messi genauso Italiener wie Angel di Maria. Beide dürfen für das Parlament in Rom wählen, wo Auslandsitaliener durch Abgeordnete vertreten sind. 

Luis Suarez hat keine italienischen Ahnen, allerdings stammten die Vorfahren seiner Ehefrau aus Friaul. In Spanien reicht das, um den Uruguayer als Europäer einzustufen. In Italien nicht. Als Juventus in diesem Sommer Suarez umwarb, machte der Turiner Klub den italienischen Pass zur Bedingung. Schnell wurde der Antrag eingereicht, bald tauchte ein Problem auf: Der neue Staatsbürger muss nachweisen, dass er Italienisch spricht. Also fand Suarez zur Universität Perugia. Dort studieren viele Ausländer Italienisch. Er nicht. Zum Studieren hat er nun wirklich keine Zeit, höchstens für die Prüfung. Aber auch dafür nur kurz.

Am 17. September war es so weit. Nach dem Morgentraining in Barcelona bestieg der Spieler einen Privatjet, wurde in Perugia mit großem Bahnhof empfangen und legte in der Uni sein Examen ab. In Rekordzeit. Normalsterbliche brauchen dafür zweieinhalb Stunden, Luis Suarez schaffte es in knapp 30 Minuten. Danach gab’s ein Foto mit der Rektorin, und schon saß er wieder im Flugzeug, natürlich mit dem Zertifikat. 

Fünf Tage später zieht die Staatsanwaltschaft die Rote Karte. Die Prüfung sei ein abgekartetes Spiel gewesen, der Profi habe die Fragen zuvor von der Kommission bekommen und die Antworten auswendig gelernt. Immerhin!

„Wenn einer zehn Millionen im Jahr verdient, können wir ihn nicht durchfallen lassen“, soll eine Prüferin gesagt haben, „auch wenn er in Infinitiven spricht.“ Diese Haltung entspricht den Parametern unserer Zeit. Wer mit Balltreten zehn Millionen verdient, ist nun mal gesellschaftlich wichtiger als jemand, der die korrekte Verbkonjugation nicht nur selbst beherrscht, sondern sie womöglich auch noch anderen beibringt.

Juventus hat den Transfer ohnehin platzen lassen. In Turin wurde heute der Spanier Alvaro Morata in Empfang genommen. Morata kehrt von Atletico Madrid zurück, wo Suarez vielleicht bald anheuert. Für ihn wäre der Fall damit erledigt. Außer Spesen nichts gewesen. 

In Perugia aber könnte sich die eine oder andere Hochschul-Karriere erledigen. Die Staatsanwaltschaft interessiert sich nicht für Suarez. Sie ermittelt gegen die Kommission, die Rektorin und den Geschäftsführer der Uni. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s