Parkplatz-Seuche

Auf dem Bild unten ist eine Szene auf einem Krankenhausparkplatz in Neapel zu sehen. Wirkt harmlos, auf den ersten Blick. Eine Frau wird auf der Rückbank eines Autos mit Sauerstoff versorgt.

In Wirklichkeit zeigt dieses Foto ein Drama. Seit Tagen sind in Neapel, aber auch in Rom, die Notaufnahmen blockiert. Covid-Patienten müssen viele Stunden vor den Krankenhäusern darauf warten, dass drinnen ein Platz für sie frei wird. Die meisten harren in Privat-Pkws aus, andere haben einen Krankenwagen gechartert und in ihrer Not aus eigener Tasche bezahlt. 600 Euro für die Fahrt zum Hospital, plus 25 Euro pro Wartestunde. Bei sechs oder acht Stunden auf dem Krankenhausparkplatz kommt da eine beträchtliche Summe zusammen. Zudem fehlen die Ambulanzen an anderer Stelle, nämlich bei Unfällen.

ÄrztInnen und Pfleger leisten schon wieder die gleiche Heldinnenarbeit wie im Frühling. Auch das zeigt dieses Bild. Die Hingabe, die Menschlichkeit, den Einfallsreichtum. Wenn das System zusammenbricht, dann versuchen die Einzelnen mit aller Macht, es irgendwie zu richten.

Das System bricht gerade zusammen. In Rom warten erst die Kranken auf Versorgung und dann die Toten, beziehungsweise deren Angehörige. Drei Wochen Wartezeit für die Verbrennung, die bei Covid-Toten innerhalb von 72 Stunden stattfinden müsste. Im Oktober sind 640 RömerInnen mehr als im Vorjahresmonat gestorben, zuviel für den größten Friedhof Italiens an Prima Porta. Seit Jahren herrscht dort Personalmangel, zudem hat die Fünfstern-Stadtverwaltung den Bau neuer Krematoriumsöfen verschlampt.

Jetzt ist an Prima Porta, wo einst die luxuriöse Villa der Augustus-Gattin Livia stand, wenigstens die Wartehalle wieder eröffnet. Darin auch der Leichnam des populären Schauspielers Gigi Proietti, der an seinem 80. Geburtstag gestorben ist. Am 2. November, Allerseelen, Tag des Totengedenkens.

Proietti war ein großer Komiker, quasi die Inkarnation des römischen Lebensmottos „Una risata ci seppellirà“, ein großes Gelächter wird uns beerdigen.

Aber noch nicht mal darauf ist in diesem verdammten Herbst Verlass.

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