Geco – geschnappt

Einen Gecko kann man nicht fangen, das wissen alle, die schon mal einen im Haus hatten (also südlich der Alpen). Man soll ihn auch tunlichst in Ruhe lassen, denn er bringt Glück, wobei diese Legende vermutlich mit dem Nicht-Schnappen-Können unmittelbar zusammenhängt.

Der Gecko stört ja übrigens auch nicht, er hängt halt an der Wand oder an der Decke, gibt keinen Ton von sich und auch keine aufdringlichen Gerüche, ist also ein sehr viel angenehmerer Mitbewohner als es manche Menschen jemals sein könnten. Dass man ihn trotzdem sanft aus der Wohnung vertreiben sollte, hängt damit zusammen, dass auch ein Gecko mal essen muss, typischerweise Insekten.

Gecko heißt auf Italienisch Geco. Und Geco haben sie jetzt geschnappt, in seiner menschlichen Gestalt als einer der bekanntesten Sprayern Italiens. Aktiv vor allem in Rom.

Wie man sieht, nicht am Kolosseum oder an barocken Papstpalästen, sondern eher an den schnörkellosen Bauten faschistischer Architektur und an den Kästen der Nachkriegszeit. Wie man außerdem sieht, ist der Mann ein Kletterkünstler.

Geco prangt in Rom überall, denn überall in Rom stehen solch schmucklose Gebäude. Der Sprayer hat ihnen, meine Meinung, so etwas wie Wiedererkennungswert gegeben. Vielleicht auch ein wenig Flair?

Jedenfalls droht ihm jetzt der Prozess, angesichts der Zeiten neurömischer Justiz wird der vermutlich im Jahre 2030 eröffnet. Da könnten die Geco-Schriftblöcke schon verblasst sein und der heute 30-Jährige ganz von selbst aufgehört haben mit dem Sprayen wegen Kleinverbürgerlichung.

Sein Anwalt streut die Geschichte, Geco zeichne aus Liebe. Eine ihm sehr nahestehende Person sei autistisch. Eine italienische Software für Altistinnen heißt Geco.

Nicht wichtig, ob’s stimmt. Klar ist, Geco strebt nach Selbstdarstellung. Überall muss er seine Markierung hinterlassen, wie alle Sprayer. Dieser Trieb mache ihn aber noch nicht zum Künstler, argumentiert der Schriftsteller Michele Serra: „Geco, zeichne uns mal ein Schaf!“

Na, ich weiß nicht, ob man die Kunst an Schafen ablesen kann. Ich weiß nur: Bevor Geco kam, sah manches in Rom viel langweiliger aus.

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