Turnlehrerinnen-Quartett

Marie Schmidt hat Recht: Selbst die Sportschau ist inzwischen literarischer als das so genannte Literarische Quartett. Unfreiwillig, aber immerhin. Die Tennisspielerin Petkovic war da mal zu Hause, jetzt ist sie anders literarisch und beim LQ zu Gast.

In jeder Talkshow lassen sie Petkovic ihr Buch bewerben, im SZ-Magazin darf sie als “Intellektuelle” von Dostojewki schwärmen, in den Feuilletons wird sie gefeiert – auch im SZ-Kulturteil, wo eine Lobeshymne auf die Tennis-Belletristik mit dem bemerkenswerten Aufschlag eröffnet wurde: “Der erste Schriftsteller, der sie fesselte, war Fjodor Dostojewski.“ Schon wieder! Dostojewski, du alter Fesselkünstler. Na, mich hat überhaupt noch nie jemand gefesselt, auch kein Schriftsteller. Aber ich kann auch nicht Tennis spielen und darüber schreiben schon gar nicht, wenn ich es bedenke, habe ich in meinem Leben sogar noch nie ein Tennisspiel gesehen. Das werde ich aber tun, bevor ich ein Buch von Andrea Petkovic aufschlage, versprochen.

Wo waren wir? Dabei, dass es reicht, Dostojewski gelesen zu haben, um als Intellektuelle ins Literarische Quartett eingeladen zu werden. Wahlweise kann man auch, wie die ebenfalls anwesende Lisa Eckhart wahnsinnig gestelzt das allerblödeste Blech daherreden und wenn das Blech schwer antisemitisch klingt, noch gestelzter darauf hinweisen, dass es sich um satirisches Blech handele, was jeglichen Antisemitismus-Verdacht ja zum unverständigen Kritiker zurückprallen lasse. Verglichen mit der zackigen Frau Eckhart ist Dostojewski eindeutig witziger, wobei ich glaube, dass sie auch nicht Tennis spielen kann. Sehr witzig finde ich Marie Schmidts Assoziierung der bemerkenswert unwitzigen Thea Dorn mit einer Turnlehrerin. Stimmt genau, jetzt weiß ich, warum ich immer ein wenig Angst vor der Dorn habe. Man möchte ihr ja wirklich nicht die Lebens-Sanduhr in die Hand geben. Im LQ gab es denn auch einen tollen Schlagabtausch im Gestelztsprechen mit der Eckhart. 

Mit den Büchersendungen ist es mittlerweile wie mit den Kochshows: Je mehr im Fernsehen laufen, desto weniger kochen die Leute. Kleiner Tipp: Man könnte das LQ demnächst mit Köchen besetzen und Frau Dorn mit der Eckhart ein Hirschgulasch mit Tennisbällen kochen lassen. Das wäre ja eventuell wirklich lustig. 

So aber: lästige Langeweile, gepaart mit nicht wenig Gruseln. Sagte ich schon, dass die einzig mögliche Büchersendung die Buchzeit ist? Ganz ohne Promis, dafür mit Profis. Der Literaturkritik.

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