Willkommen in der Hölle

Keine Angst, es ist die schönste Hölle, die je erdacht worden ist. Denn 2021 ist das Dante-Jahr – am 14. September 1321, also vor 700 Jahren starb Dante Alighieri fern seiner Heimatstadt Florenz im Exil in Ravenna. In Deutschland lesen Dante nur noch eine Handvoll Literatur- und Italienverrückter, in Italien ist er viel mehr als ein Dichterfürst. Niemand käme auf die schwachsinnige Idee, Filme unter dem Titel Fuck you Dante ins Kino zu bringen. Stattdessen wird seine Komödie in den Schulen gelesen. Jahrelang! Kein Italiener, keine Italienerin machen Abitur, ohne die göttlichen Verse studiert zu haben, mit der zwingenden Erkenntnis, dass die Hölle dem Paradies vorzuziehen ist. Da ist einfach mehr los, da tummeln sich die interessanteren Leute.

In Dantes Welt tauchen nicht nur die Zeitgenossen auf, sondern auch die Altvorderen aus der römischen und griechischen Antike. In Dantes Welt kann man nicht nur im Moment wundervoll abtauchen, kann sich auf eine Reise begeben wie in ein fernes Land. Eine Reise, die immer neue, faszinierende Entdeckungen bereit hält, exotische Gedankengänge, aber auch heimatliche Anwandlungen. Als Guide bietet sich an: Roberto Benigni, dessen Dante-Interpretation in Italien längst Kult ist. Und dann gibt es die Initiative der italienischen Sprachakademie Accademia della Crusca. Jeden Tag stellen die SprachforscherInnen ein Dante-Wort vor, heute ist es „bella persona.“ Die „schöne Person“ stand bei Dante noch für eine ästhetisch angenehme Präsenz, inzwischen beschreibt „bella persona“ die gesamte Persönlichkeit. Eines meiner italienischen Lieblingswörter, ins Deutsche leider nur unzureichend übersetzbar.

In diesem Sinne: Fahrt zur Hölle!

2 Gedanken zu “Willkommen in der Hölle

  1. Sehr geehrte Frau Schönau,

    auch über Ihren heutigen Beitrag freue ich mich wieder sehr.

    Allerdings:

    Dieses Mal kann ich Ihrem Aufruf nicht folgen und bleibe lieber noch ein Weilchen hier (um zum Beispiel ab und zu durch die westfälische Suppenküche bei Lippetal fahren zu können).

    In diesem Sinne,

    grazie, bella persona,

    Bruno Rütten

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