Sabine die Große

Sabine Töpperwien geht in Pension. „Eine Pionierin des Sportjournalismus“ nennt sie die SZ, die „den anderen eine Schneise freigeschlagen“ habe, andere Frauen im Fußball sind damit wohl gemeint. Heerscharen sind es seit Töpperwiens Karrierestart Mitte der 1980er Jahre allerdings auch nicht geworden, die Schneise also nicht besonders breit. Wieso glaubt man eigentlich, Frauen in Männerberufen würden anderen Frauen den Weg bahnen? „Eine Schneise freischlagen“ – mit der Axt oder dem Buschmesser? Als wäre man nicht vollends damit beschäftigt, selbst auf der Spur zu bleiben. Reicht aber offenbar nicht. Und was ist, wenn auf die eine Frau keine Frau folgt? Tja.

Weiterhin heißt es bei der SZ, dass es für eine Journalistin, die sich derart durchkämpfen musste, eine „große Lebensleistung“ sei, unter den Unverschämtheiten der Männer nicht bitter geworden zu sein. Bei diesem Satz, ich gebe es zu, musste ich zuerst ein wenig schlucken und dann sehr leise in mich hineinlächeln. Aber es geht ja nicht um mich, sondern um Sabine Töpperwien, die im Gegensatz zu mir stets eine begeisterte Sportjournalistin war, sehr fleißig, sehr Fußball-kompetent und auch sehr ehrgeizig, weswegen sie jetzt den WDR als Hörfunk-Sportchefin verlässt.

In einem großen Interview mit dem von mir geschätzten Jörg Thadeusz kann man ihren beeindruckenden Weg noch einmal nachverfolgen, von der Verbandsliga im Harz zu Champions-League-Finalspielen und Olympia. Im Gegensatz zu Sabine fand ich ihren Bruder Rolf immer ganz furchtbar, ein übler Prolet und Frauenverächter („Ich gehe zu den Jungs in deren Stammkneipen, und da spüren die dann beim Bier: Der Töppi hat ja die gleichen Interessen wie ich, der kennt die Hitparade, und der pfeift auch mal einer Frau nach“), der sich auf ZDF-Briefpapier über seine Puff-Rechnung mokierte („Bin kein Marathonmann“). Dass Sabine Töpperwien sich von diesem Brocken nie distanzierte, sondern bis heute versichert, seine innovativen Rasen-Interviews seien vorbildhaft gewesen, das ist auch eine große Lebensleistung. Man könnte vermuten, dass eine kleine Schwester, die einen solchen großen Bruder überflügelt, mit Typen wie Otto Rehhagel spielend fertig wird, schließlich ist sie mit so einem ja wenigstens nicht verwandt.

Sabine die Große traf ich in all‘ den Jahren nur einmal, in San Siro, bei irgendeinem Champions-League-Spiel. Ich stellte mich schüchtern vor, sie kannte mich natürlich nicht. Damals war sie schon eine Queen. Anderthalb Stunden live zu kommentieren, das Spiel immer mitzufühlen und trotzdem zu analysieren, das machte sie wirklich toll und souverän. Ein Spektakel.

Als Ex wird sie bestimmt weiter Fußball hören und schauen. Auch das unterscheidet uns.

Grande Sabine!

4 Gedanken zu “Sabine die Große

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