Die Eingeschlossenen

Wir haben einen bipolaren Freund. Er lebt in einem kleinen Ort südlich von Rom, betreut, wie es so schön heißt. Der Freund ist seit mehr als einem Jahr wegen Corona vor der Welt verschlossen. Niemand darf heraus aus dem Heim, und niemand darf herein. Im vergangenen Sommer, als viele schon wieder in den Urlaub fuhren, auch nach und in Italien, da wollte eine kleine Gruppe von Bekannten den Betreuten besuchen. An der Pforte wies man sie ab. Nein, sie könnten auch nicht unterm Fenster stehen und reden. Zu gefährlich, zu kompliziert was fällt Ihnen ein? Der Betreute wurde über seine Besucher nicht informiert.

Täglich ruft er meinen Mann an, den er seit 40 Jahren kennt. Sie haben zusammen studiert, danach machte der eine Universitätskarriere und der andere arbeitete, so lange es die Krankheit zuließ, an einer privaten Berufsschule, die ihm Verträge nur für das laufende Schuljahr machte, drei Monate Sommerferien nicht inklusive. Der Freund ruft an und erkundigt sich stets nach unserem Befinden. Was macht deine Frau, was machen die Kinder? Seinen eigenen Sohn kann er nicht sehen. Dabei ist er immunisiert, weil zwei Mal geimpft.

Italien öffnet heute wieder so gut wie alles. Nur die über 7000 Heime für Alte und psychisch Kranke bleiben versperrt. Zu viel Aufwand für das Personal.

2 Gedanken zu “Die Eingeschlossenen

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