Moumou

José Mourinho wird Roma-Coach und das ist die lustigste Nachricht seit langem aus einer Fußballwelt, die schon lange nicht mehr lustig ist. Heiterkeit bei der Vorstellung wie Mou dem nunmehr dritten amerikanischen Klubbesitzer in Rom, einem gewissen Dan Friedkin, die Abseitsregel erklärt (oder auch nicht). Vorfreude auf spektakuläre Pressekonferenzen – bei Mourinho kann man sich als ironiebegabter Mensch abrollen, während Tuchel oder Guardiola allerhöchstens unfreiwillig komisch sind. Noch größerer Spaß, wenn man sich ausmalt, wie die deutsche Sportpresse sich nun wieder an dem Portugiesen abarbeitet, die ganzen abgetretenen Begriffe (Special One!), die spießige Empörungshaltung, der moralische Zeigefinger, die Entrüstung über einen Mann, der als Caligula unter den Übungsleitern gilt.

Wobei die Vorstellung von Caligula ja nicht nur in den Köpfen von Sportreportern weithin unbelastet von historischen Tatsachen existiert. Hier weltexklusiv und knallhart recherchiert für die Leserinnen der Fußballoper: Der römische Princeps Gaius, genannt Caligula, wurde vom Volk wegen seiner Großzügigkeit tief verehrt und mit freundlichsten Kosenamen bedacht. Wie Sueton (Gaius XIII.) berichtet, riefen sie ihn „Stern“, „Küken“, „Bübchen“, „Baby.“ Letzteres heißt auf Lateinisch „Pupum. Und „Pupone“, Riesenbaby hieß zweitausend Jahre später ein gewisser Francesco Totti.

Zurück zu Mou. Siebeneinhalb Millionen Euro netto im Jahr sind ein angemessenes Schmerzensgeld dafür, dass man als leicht abgehalfterter Star-Trainer in die schönste Stadt der Welt ziehen muss. Im Unterschied zu Mourinho ist Rom bekanntlich ewig, liegt allerdings auch eher am Rande des zeitgenössischen Fußball-Imperiums, aus dessen Zentren sich José Mourinho bereits vor Zeiten selbst hinauskatapultiert hat.

Die Konstellation ist dennoch perfekt. Die Roma wird auch mit Mourinho weder Meister werden noch international irgendeinen Blumentopf gewinnen. Aber mit Mourinho können die Stadt und ihr Verein endlich wieder das zelebrieren, wozu der Fußball hierzulande erfunden wurde: Spettacolo. Dass Fußball Circus Maximus ist und keine asketische Turnübung, das hat man als Römer seit Caligula selig begriffen. Der Kaiser selbst fuhr übrigens Wagenrennen und was die Story von seinem Pferd als Konsul anging, sie stimmt wohl nicht ganz. Bezeugt wird vielmehr, dass Gaius-Caligula seinem Lieblingshengst Incitatus („der Pfeilschnelle“) eine prunkvolle Villa errichten ließ und dorthin im Namen des Tieres den Senat einlud – um die reichen und mächtigen, aber auch hoffnungslos korrupten Aristokraten zu demütigen. O tempora o mores.

Ob Klubbesitzer Friedkin Sueton liest? Mou lernt ihn gerade auswendig, soviel ist klar. Wahrscheinlich hat er auch schon einen personal trainer zum Wagenlenken angeheuert oder doch zumindest für die Laufrunden am Tiber, und an der Appia Antica. Die Moderatoren der Fußballradios („Schneewittchen und die Sieben Hügel“) flippen aus, die Römerinnen rätseln, wo der Neue wohl residieren wird. Auf dem Aventin, direkt neben dem Diana-Tempel? Oder stadtauswärts mit Blick auf das grandiose Aquädukt von Caligula und Claudius (Foto auf dem Blog-Titel)?

Drei Jahre, wie vertraglich vorgesehen, werden es nicht werden, jede Wette. Aber was macht das schon. Das Stadio Olimpico hat endlich wieder einen Zauberer. Auch wenn er seine Spieler am liebsten zu Statuen erstarren lässt.

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