Ave!

Enrico Michetti gilt als wahrscheinlichster Kandidat der Rechten für die römischen Bürgermeisterwahlen im Herbst. Wahrscheinlich, weil er es weit bringen dürfte, als typisches Gewächs eines stockkonservativen – um nicht zu sagen: ewiggestrigen – römischen Bürgertums, das seinen Provinzialismus und seine spießige Verbohrtheit mit wurschtiger Leutseligkeit verbrämt. Michetti, 55, Rechtsanwalt, hat seine Finger überall drin, seit er auf die geniale Geschäftsidee kam, ein Magazin amtlicher Verlautbarungen online zu stellen. Vor allem aber ist er beliebter Gast in den Lokalradios, von denen es in Rom circa zwei Dutzend gibt. Dort quatschen sehr viele Männer sehr viel über Fußball und die meisten sind sehr rechts. Einer von ihnen, Mario Corsi, ist sogar ein ehemaliger Rechtsterrorist. Seit Jahren moderiert Corsi „Te la do io Tokyo“ , ganz Rom kennt ihn als „Marione“ und Obertifoso der Roma.

Marione, Michetti und die anderen bilden das Hintergrundgeräusch des römischen Alltags. Im Taxi, beim Friseur, in den Bars, überall laufen diese Sendungen, überall quatschen einen die Rechten besoffen mit ihrem Slang aus frauenverachtenden Zoten, homophoben Beleidigungen und rassistischen Unterstellungen.

Michetti hat sich jetzt damit hervorgetan, den so genannten „römischen Gruß“ als hygienischste Form in Covid-Zeiten zu preisen: „Was die alten Römer erfanden, ist bis heute perfekt.“ Der saluto romano wird von ihm und seinesgleichen mit hochgerecktem rechten Arm praktiziert. Ein gewisser Benito Mussolini interpretierte ihn als saluto fascista, in Deutschland reüssierte er dann als Hitlergruß. Auch in Italien ist diese Art des In-die-Luft-Stoßens verboten. Bei Strafe. Wenigstens steht es so im Gesetz.

Wenn Leute glauben wollten, die Geschichte beginne erst mit der Oktoberrevolution oder in den 1920er Jahren, sei das ihr Problem, sagt der Kandidat Michetti. Als Römer beziehe er sich nur auf den Gruß der Römer.

Soso. Na, dann schauen wir mal auf die Herren Marc Aurel und Augustus:

Zugegeben hygienisch. Sieht aber gar nicht so zackig aus wie bei den alten und neuen Faschos. Eher nach lässigem Winke-Winke.

Hingegen hier zum Beispiel Paolo Di Canio, beim Gruß an sein Lazio-Kurvenvolk (hat ihn seinerzeit Bußgeld und Sperre gekostet):

Seit Mussolini versucht die italienische Rechte, die Antike für sich zu vereinnahmen. Und so wird aus dem faschistischen Arme-Hochreißen halt wieder der Gruß der Caesaren. Kein Problem in einer Stadt, wo noch fast jeder Kiosk Duce-Kalender verkauft und wo der neofaschistische Schlägertrupp „Casa Pound“ eine richterliche Verfügung ignorieren darf, um unverdrossen weiter ein ganzes Haus in der Innenstadt zu besetzen. Kommt eh keiner, um zu räumen. Wenn Michetti wirklich Bürgermeister würde, hätten diese Typen gar nichts zu befürchten.

Unter linken Stadtverwaltungen durften sie ja schließlich auch machen, was sie wollten.

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