Die Nacht vor den Prüfungen

Heute starten in Italien die Abiturprüfungen – zum zweiten Mal während der Seuche, die das Land so furchtbar getroffen hat. Wie immer berichten alle Medien groß über die Abi-Themen und über die Reaktionen der SchülerInnen, dazu werden Kommentare der Verantwortlichen aus dem Ministerium eingeblendet, die versichern, es handele sich keineswegs um leichtere Prüfungen, das fehlte ja noch, nur wegen Corona.

Man muss die Abiturientinnen bewundern und ihnen die Daumen drücken. Sie haben einen immens hohen Preis gezahlt. Ausgangssperren, Distanzunterricht, Maskenpflicht (in Italien gilt sie bei 30 Grad auch im Freien und nein, niemand protestiert oder verweist auf dubiose Atteste), die Sorge um und mit den älteren Familienmitgliedern, den Eltern und Großeltern. Kurz vor dem Abi sind sie geimpft worden. Es gab bei diesen Massenimpfungen einen Todesfall in Genua, eine Schülerin starb nach einer Astra-Zeneca-Ration. Es stellte sich heraus, dass sie an einer schweren Vorerkrankung litt und riskante Medikamte nahm. Die AS-Impfkampagne wurde für unter 60-Jährige ausgesetzt.

Allgemein muss man sagen, dass Italien viel besser impft als Deutschland. Die Kampagne ist hervorragend organisiert, es gibt kein Hauen und Stechen und Ellbogenausfahren, keine Drängelei, sondern eine Bevölkerung, die Schlange steht und ohne weitere Umstände einen Termin zugewiesen bekommt. Inzwischen sind als letzte Gruppe die unter 25-Jährigen dran. In der Summe sind ungefähr so viele Menschen wie in Deutschland geimpft, nur ohne die groteske Schlacht um einen Termin, ohne Telegram-Apps und Last-Minute-Stich.

Zurück zu den Abis. Vor dem Liceo Torquato Tasso, einem der großen humanistischen Gymnasium Roms, versammelten sie sich gestern abend, um gemeinsam ihre Prüfungsangst wegzureden und vor allem: wegzusingen (ab Minute 1:13). „La notte prima degli esami“, ein alter Song von Antonello Venditti, dargeboten vom maskierten Abiturientinnenchor des Tasso.

Buona fortuna, ragazzi!

2 Gedanken zu “Die Nacht vor den Prüfungen

  1. Gerade die Abiturienten waren fast ausschließlich im Homeschooling im letzten Jahr, daran dachte ich mitfühlend, als meine Mittelschülerin doch immer mal wieder Präsenzunterricht hatte, die Gymnasiasten nicht. Da wünscht man von ganzem Herzen: Buona fortuna!
    Ich bin sprachlos angesichts der schnellen Abschaffung der Maskenpflicht in Deutschland … Zähne zusammenbeißen, trotzdem lächeln und an die anderen, noch nicht Geimpften denken, ist dort wohl keine Option. Seit der Pandemie bin ich noch überzeugtere „Italienerin per Residenza“.

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  2. „Zähne zusammenbeißen und an die anderen, noch nicht Geimpften denken, ist dort wohl keine Option…“ Liebe Anke, diesen Eindruck kann man wirklich haben. Es könnte aber auch sein, dass die Rücksichtslosen, wie überall, einfach lauter sind. Und in diesen Wahlkampfzeiten leider zu willig gehört werden.

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