Santo!

‚Na fifa santissima (Heidenangst, wörtlich aber: hochheilige Angst). Nun ce so‘ santi (Dagegen ist kein Kraut gewachsen, wörtlich aber: Es gibt keine Heiligen, die helfen würden). Esse ’no stinco de santo (ein scheinheiliger Typ, wörtlich: Schienbein eines Heiligen).

Natürlich ist Rom die heiligste Stadt Europas. Immer schon gewesen, schließlich wurden die Heiligen hier erfunden, früher, also vor Christus hießen sie nämlich: römische Götter. Die römisch-katholische Kirche ist die perfekte Synthese aus altrömischer Religion und Christentum, das aus ersichtlichen Gründen nicht allzu monotheistisch sein konnte, denn monotheistisch ist ganz schön monoton. Ich will das hier aber alles nicht vertiefen, denn es soll heute nicht um Konfessionen gehen, sondern um Fußball. Andere Religion…oder?

Gesehen beim Morgenspaziergang durch Monti, Via Urbana. Der römische Humor wird ja international unterschätzt, mindestens so sehr wie die römische Lässigkeit. Mir gefallen vor allem die Padre-Pio-Kerzen unten links, denn bei dem Mönch mit Rauschebart handelt es sich um einen Volkshelden, der nach einer beispiellosen Medienkampagne 2002 von Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde – gegen den Protest der zuständigen Heiligenkongregation im Vatikan, deren akribische Untersuchungen ergeben hatten, dass Padre Pio ein schlimmer Hysteriker war, der sich seine Stigmata selbst zugefügt hatte. Volkes Stimme wog schwerer, außerdem hatte sich um Pio ein beträchtliches Business entsponnen, dass seiner strukturschwachen apulischen Heimat ein Wirtschaftswunder beschert hatte.

Wenn es Padre Pio geschafft hat, kann es auch Mou schaffen. Allerdings muss er erst tot sein. Dieses erste Gebot für die KandidatInnen zur Heiligsprechung gilt immerhin noch. Und Wunder muss er wirken – die vorgeschriebne Alternative, als Märtyrer für die Kirche zu sterben, wollen wir ihm nicht wünschen.

Wir sind Römer, wir haben 2000 Jahre Papsttum erlebt und Fußball ist unsere Religion. Unser Prophet Totti hat Sendepause, also leisten wir uns jetzt mal einen kauzigen portugiesischen Wanderprediger für zwischendurch. Aus Freude am Spektakel – wobei nicht das auf dem Platz gemeint ist. Auf dem Platz geht es um Punkte.

Da braust er hin, auf einer Hauswand in Testaccio, wo die Roma gegründet wurde und bis heute der wichtigste Roma-Fanklub der Stadt ansässig ist. Aber nicht dorthin ist unser Mann gezogen, sondern er residiert demnächst im feudalen Palazzo Taverna, einer richtigen Trutzburg aus dem Mittelalter, die im 15. Jahrhundert ein wenig auf Renaissance getrimmt wurde, aber immer noch eher wuchtig als elegant ist. Draußen dicke Mauern, drinnen ein Wahnsinnskitsch, einige Säle kann man für Familienfeiern mieten.

Die Mourinhos beziehen angeblich den 2. Stock, damit der Special One sich wie ein Fürst fühlen kann, wie ein Kardinal oder wenigstens wie ein Papst. „Vivere come un Papa“, sagen die Römerinnen, wenn es um „Leben wie Gott in Frankreich“ geht. Gemeint sind natürlich die Popes vergangener Jahrhunderte, als Papst sein noch richtig Spaß machte, mit schönen Frauen und starken Pferden.

Die ausführlichste Wikipedia-Seite über Palazzo Taverna gibt es übrigens auf – genau: Portugiesisch. In Rom rätselt man derweil, wie José es schaffen will, täglich pünktlich zum Training nach Trigoria zu kommen. 30 Kilometer durch den chaotischen Stadtverkehr sind kein Pappenstiel, zumal die Stadtverwaltung sich dem Vernehmen nach dagegen sträubt, die Straßen für die Kutsche von Don Mourinho zu sperren.

Mit der Vespa geht’s schneller, siehe oben.

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