Senza una donna

Die Linke ist die große Gewinnerin der italienischen Kommunalwahlen. Rom, Mailand, Neapel, Turin, Bologna werden künftig von linken Bürgermeistern regiert – wobei man sagen muss, dass da auch vorher nicht die Rechte am Werk war. In Rom und Turin waren Bürgermeisterinnen der Fünfstern-Bewegung im Amt, in Neapel ein tough auf Law and Order setzender, aber sicher nicht rechter Ex-Staatsanwalt. Aber weil rechte Populisten landesweit die Umfragen anführen, wird der Sieg der Linken groß gefeiert. Und natürlich sind wir in Rom erleichtert darüber, dass mit Roberto Gualtieri ein fähiger Mann das Ruder übernimmt, überzeugter Europäer, Historiker und Gramsci-Experte, zuletzt italienischer Finanzminister. Man muss Gualtieri, selbst Römer aus einem Kleine-Leute-Viertel, glauben, wenn aus unserer Stadt einen neuen Leuchtturm der Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit machen will. Ein funktionierender Nahverkehr, mehr Fahrradwege und weniger Müllberge würden für den Anfang schon reichen.

Wenn bei mir trotzdem kein echter Enthusiasmus aufkommen will, dann deshalb: Es ist nirgends eine Frau in Sicht. Italiens wichtigste Städte werden nunmehr allesamt von Männern regiert, in keiner kam auch nur eine Frau in die Stichwahl. In der Zentralregierung sieht es übrigens auch nicht anders aus. Alle Schlüsselpositionen männlich besetzt, mit Ausnahme von Innen und Justiz.

Dreht sich das Rad zurück? Nur die rechte Fratelli d’Italia hat mit Giorgia Meloni eine Parteivorsitzende, nach dem Vorbild von Marine Le Pen. Und in den Medien: mansplaining allerorten. Dass Radio- und Fernsehsendungen zur Politik ganz ohne Frauen auskommen, gilt hier immer noch als normal.

Und in Deutschland? Bürgermeisterinnen in Berlin und Köln. Immerhin. Doch wenn wir auf die Koalitionsverhandlungen schauen, sind die Frauen auch in der Minderheit.

Immerhin ging der deutsche Buchpreis wieder an eine Frau. Aber der ist nur mit Geld dotiert, nicht mit Macht.

2 Gedanken zu “Senza una donna

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