Ernte – Raccolta

Es ist kein gutes Jahr für die Olivenernte, zumindest für uns in Mittelitalien. Zuviel Regen im Frühjahr, zuviel und viel zu lange Sonne im Sommer und Frühherbst: das Ergebnis sind wenige Oliven, die frühzeitig reif geworden sind und mancherorts zusätzlich von den Larven der berüchtigten Ölfliege attackiert wurden.

Als wir vor über 20 Jahren unseren Olivenhain übernahmen, trugen die alten, lange vernachlässigten Bäume schon nicht mehr, und die jungen waren zu klein für nennenswerten Ertrag. Die Ölmühle im Dorf öffnete erst im November, um bis kurz vor Weihnachten geöffnet zu bleiben. Und bei der Ernte trugen wir Handschuhe gegen die Kälte. Es folgten Jahre des Aufbaus, Einbrüche aber auch Erfolge. Rund 600 Kilo sind bis heute unser Rekord – handgepflückt. Wir verzichten auf Pflückmaschinen, die den Bäumen zusetzen. Dass man Netze unter den Baum legt und wartet, bis die vollreifen Oliven von selbst abfallen, ist eine Legende. Olio extravergine, also das berühmte säurearme „Nativ-„Öl, wie es in Deutschland genannt ist, bekommt man auf diese Weise nicht.

Diesmal war die Ernte kläglich, aber die Ausbeute großartig. Fast 16 Kilo Öl auf 100 Liter Früchte, fantastisch. Wir hatten schon Jahre mit 12/100 und sogar nur mit 9/100.

Hier mussten wir 60 Kilo in der Sonne trocknen, nachdem sie einen kleinen Regenguss abbekommen hatten. Insgesamt war das Wetter, wie es jetzt eigentlich immer ist: Trocken, viel zu warm.

Alle im Dorf haben die Ernte deshalb vorgezogen. Die Ölmühlen sind überall schon offen, arbeiten allerdings nur mit einem Bruchteil des Personals, weil die erwarteten Olivenberge ausbleiben. Für die Mühlen bedeutet das ein Minusgeschäft, denn sie machen ihren Umsatz vor allem mit dem Verkauf von Öl. Normalerweise lassen die große Produzenten einen Teil ihres Öls in der Mühle, um so den Mahlvorgang zu bezahlen. Wir als Selbstversorger lassen ohnehin lieber Geld als Öl in der Mühle. Für einen Liter bezahlen wir ungefähr einen Euro. Im Verkauf kam der Liter Öl letztes Jahr auf sieben Euro, doch jetzt wird der Preis unweigerlich steigen.

Das Öl ist wie immer köstlich, wie immer, hellgrün, mit einem Abgang, der an Artischocke erinnert. Wir essen es auf dem gerösteten, salzlosen Brot Umbriens (Bruschetta) und im Salat.

Was letzteren betrifft, ist die Ernte nicht einfach nur gut, sondern überwältigend.

Für den Gemüsegarten ist das warme Wetter ideal. Oder macht es der Dünger aus Eselmist? Jedenfalls stehen Radicchio und Kohl so gut wie selten.

Schon abgeerntet sind Granatäpfel und Chilischoten, die jetzt langsam vor sich hintrocknen dürfen. Die allerletzten Äpfel sind kurz vorm Platzen und wandern vom Baum ganz schnell in den Korb.

Bei der Olivenernte wird natürlich ordentlich gegessen. Getrunken nicht, denn wer Wein intus hat, kommt nur schlecht auf den Baum. Für mich ist das Kochen immer eine ganz willkommene Pause, doch es muss natürlich schnell gehen. In meinem Fall superschnell, mit Zutaten aus dem Garten. Eine halbe Stunde, und schon kommt’s auf den Tisch. Hier also zwei 30-Minuten-Rezepte – nicht nur für Olivenbäuerinnen:

Pasta (in diesem Fall Penne Integrali) mit Broccolo Romano

500 g Penne

1 Broccolo Romano

2 Salsicce (oder eine frische Bratwurst)

Kurkuma, Chili, Majoran.

Olivenöl nach Gusto.

Die Penne in reichlich Salzwasser zusammen mit den Broccolo-Röschen kochen. Derweil Salsicce aus dem Darm lösen und sehr stark zerkleinern. Das Bratwurst-Innere in einer fettfreien Pfanne kross rösten, Kurkuma und Chili kurz vor Ende der Garzeit hinzugeben. Die Nudeln mit dem Kohl abgießen, in eine Schüssel geben, die Bratwurststreusel darüber geben. Olivenöl und Majoran dazu, fertig.


Salat aus Radicchio, Orangen und Granatapfelkernen.

Aus diesen Zutaten einen Salat herstellen, dazu Olivenöl und etwas Salz. Zur Deko und natürlich zum Mitessen habe ich die roten Blüten meines Ananas-Salbeis benutzt.

Buon appetito!

Das neue Öl kommt in Deutschland vermutlich erst im Frühjahr in die Läden. Schmeckt dann aber noch anderthalb Jahre.

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