Felsenkönigin

Es gibt Leute, die fahren im Winter an die Nordsee. Grazie, mir ist es da im August gerade winterlich genug. Meine Winterinsel heißt Capri. Im Sommer mache ich einen großen Bogen darum, viel zu voll, viel zu heiß und ohne Boot nichts los – wer möchte denn KIESELSTRÄNDE, wenn man doch in Italien den allerfeinsten Sand findet?

Mitten im Winter aber ist Capri konkurrenzlos märchenhaft. Warum und wo und mit wem, das steht heute in der ZEIT, die mich auf Reportage dorthin geschickt hat. Danke, liebe KollegInnen!

Mir kam dort unter anderem die Erkenntnis, dass dieser ganze Sommer- und Bade-Massentourismus spätestens durch den Klimawandel vollkommen irre geworden ist. Bei 40 Grad im Schatten wird es wirklich beschwerlich, auf der Piazzetta dieses ordinäre orangefarbene Klebezeugs zu schlürfen, geschweige denn, einen Spaziergang zu den Ruinen des Tiberius-Palastes zu absolvieren.

Aber bei immerhin 18 Grad war ich da ganz allein. Sowohl auf der Piazzetta als auch beim alten Tiberius. Kunststück, wenn auf der Insel 99 Prozent der Hotels und Restaurants geschlossen sind, von den Läden der üblichen Luxusmarken ganz zu schweigen. Die haben statt Klamotten nur ihre Labeltaschen mit dem Aufdruck: „Happy to see you next summer“ in die Schaufenster gestellt. Kein Problem, wer braucht das Zeug? Kann man bei Bedarf ja auch am Neuen Wall oder in der Maximilianstraße kaufen, dafür muss man wirklich nicht nach Capri.

Nach Capri muss man wegen des Lichts, denn dieses Licht des Südens, das findet man in solcher Intensität nur hier. Nicht in Südfrankreich, nicht in Rom, noch nicht einmal in Neapel. Es muss die Kombination aus Sonne, Felsen und Meer sein, garniert mit der immergrünen Macchia, den Zitronen, den Bougainvilleen…

Im Bild: Die Via Krupp, erbaut um 1900 von dem deutschen Industriellen Friedrich Alfred Krupp, der auf Capri die schönste und schlimmste Zeit seines Lebens erfuhr, und sich jedenfalls verewigte.

Damals gab es schon Tourismus. Aus dem Norden kamen Leute, die es sich leisten konnten – im Winter. Um dem Dauergrau in der Heimat zu entfliehen. Denn Grau, das sieht auf Capri ungefähr so aus:

Es ist leer, aber aufregend und immer irgendwie mysteriös. Ein einziger Rausch von Landschaft und Farben. Und dann ist diese Insel ja voller Geschichten, als Lieblingstreffpunkt von Dandys, Exzentrikern, Aussteigern…Nichts wie hin, kann ich nur sagen. Gerade in diesen lausigen Zeiten. Stilvoller kann man dem Lärm der Zeit nicht entfliehen.

Ein Gedanke zu “Felsenkönigin

  1. Auf Capri war ich das letzte Mal 1988, damals im April, was ich die noch bessere Jahreszeit finde. Höchste Zeit wiederzukommen. Danke für die Erinnerung, Birgit.

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