Frühstück vom Strauch

Der gute, alte Hollerkuchen: Dolde in einen flüssigen Teig aus Ei, wenig Mehl, eine Prise Zucker und ein bisschen Milch tunken, ab in die Fettpfanne, abwarten bis es goldig glänzt: Fertig. In zehn Minuten und einem Satz.

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In der Küche

Mittags um halb zwei, das Telefon geht. „Bist du in der Küche?“ fragt mich mein Lieblingschef und wischt meinen Hinweis, dass man weiblichen Kollegen solche Fragen eigentlich nicht mehr stellen sollte, großzügig vom Tisch. Mein Lieblingschef kennt mich. Natürlich bin ich um halb zwei in der Küche, wo denn sonst. Um zum Beispiel so etwas hier zu verputzen:

pastarucolaMittags muss es einfach eine schnelle Pasta sein. So wie diese Nudeln mit Rucola. Knoblauch in ein wenig Öl erhitzen, mit Zitronensaft ablöschen. Dazu ein wenig geriebener Parmesan und ein, zwei Esslöffel Kochwasser, das wäre dann die Basis, in der wenig später die Nudeln landen. Zum Schluss die Rucola untermischen. Mein Freund Claudio bietet das in seinem römischen Restaurant „Armando al Pantheon“ als Pasta alla verde an. Bei ihm schmeckt’s natürlich hervorragend, aber es ist wirklich simpelst nachzukochen, in nicht mehr als 15 Minuten. Das würde (hier wird es gewagt) sogar mein Chef schaffen.

Danach einen Kaffee und schnell ab nach Perugia, zum Internationalen Festival des Journalismus‘ (Festival ist für unsere Branche in diesen Zeiten ein großes Wort). Da gab es dann ein Podium mit der Kollegin Tonia Mastrobuoni, die aus Berlin klug und kenntnisreich für „La Repubblica“ berichtet zum Thema „Deutschland vor der Wahl.

Perugia, um das noch schnell loszuwerden, ist ja eine der langweiligsten Städte Italiens. Man kurvt endlos um den Berg, auf der Suche nach einem Parkplatz, von dem Rolltreppen in die Altstadt führen. Und wenn man dann zwei Mal den Corso Vannucci rauf und runter gegangen ist und eines der unfassbar schönen, unerhört trockenen und unglaublich teuren Schokotörtchen der Pasticceria Sandri probiert hat, weiß man schon nicht mehr weiter. Obwohl das hier natürlich immer einen Besuch wert ist, schon allein wegen Piero della Francesca und Perugino.

Wer aber Piero und Perugino nichts abgewinnen kann und kein Festivals-Journalist ist, der kann Perugia definitiv links liegen lassen.

Weihnachten mit Carletto

Er kocht ein italienisches Weihnachtsmenü für seine kanadische Frau, träumt von Salami, die über seinem Kinderbett baumeln und beklagt die Einsamkeit des Smartphones:

Carlo Ancelotti ist der vielleicht erfolgreichste, auf jeden Fall sympathischste und nachdenklichste Coach, der derzeit den großen Fußball bewegt. Kurz vor dem Fest haben mein Freund und Kollege Claudio Catuogno und ich ihn in München getroffen. Das ganze Interview gibt’s nur in der Printausgabe, wie sich das gehört.

Buon Natale a tutti!

Wintermärchen II

Naja, Winter ist ein großes Wort für das liebliche Westfalen. Ein paar Tage Frost und gleich wieder grüne Wiesen, heute wehte gar ein frühlingshaftes Lüftchen aus Südsüdwest. Würde mich nicht wundern, wenn zum Wochenende die ersten Biergärten öffneten und die kühnsten Cabrio-Fahrer ihr Verdeck zurück klappten.

Schräg genug wären sie hier. Unter den Schrägen aber sei hier Ludger (Westfalen über 40 heißen öfter Ludger, nach dem Schutzpatron des südlichen Münsterlandes) Bücker aus Herzfeld erwähnt, einem Wallfahrtsort an der Lippe, in dessen Café am Kreisverkehr freitags die weltbesten Reibekuchen mit Apfelmus serviert werden. Man sitzt da also am Kreisverkehr, sinnt den Traktoren und Bierlastern nach, ein Reibekuchen folgt derweil auf den anderen  – und plötzlich schiebt ein Mann mit seiner Waschmaschine um die Ecke. Der will nicht umziehen, sondern weiter. 1200 Kilometer hat Ludger Bücker sein Trömmelchen „Mikaela“ bereits durch Deutschland geschoben, hinzu kamen weitere tausend durch Dänemark und Polen, bergauf, bergab, auf der Sackkarre. Von der Heimatzeitung „Die Glocke“ (so etwas gibt es hier noch, der Lippstädter Konkurrent heißt „Der Patriot“) gefragt, was denn der Antrieb für die Waschmaschinen-Tour gewesen sei, antwortete Bücker: „Im Prinzip wollte ich mir einfach mal etwas Sinnfreies gönnen.“

Sich einfach mal was Sinnfreies gönnen, im Prinzip. Märchenhaftes Westfalen. Deine Philosophen. Und deine Reibekuchen.

Summertime

Holt Juve wirklich Götze? Oder wenigstens Draxler? Kauft Mr Bee am Sonntag wirklich Milan? Oder wenigstens einen Teil davon? Ist Schweinsteiger gegangen oder gegangen worden? Darf man sich die Tour de France anschauen, ohne dauernd alle des Dopings zu verdächtigen, ja darf man vielleicht sogar ab und zu einfach nur lustig darüber schreiben? Wann entwickelt Pep Guardiola endlich ein Gespür für Lächerlichkeit, das ihn davor bewahren würde, Anno 2015 noch für Separatisten zu kandidieren? Und wann überwinden deutsche Politiker und Medienschaffende ihren natürlichen Impuls, den Rest der Welt dauernd erziehen zu müssen?

Diese und allen weiteren drängenden Fragen bitte an Kater Tiberio:

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Aber nicht zu laut, denn Tiberio ruht. Es ist ja so warm. So wahnsinnig warm. So warm, dass man allenfalls noch den unaufgeräumtesten Gemüsegarten südlich der Alpen wässern kann:

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Der uns zum Dank dafür übrigens ganz tadellos ernährt:

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Ja, genau, das Foto rechts zeigt eine Gemüsepizza. Man weiß ja nicht mehr, wohin mit Tomaten und Zucchini, und so ein Fladen ist im Handumdrehen gemacht. Auch nördlich der Alpen. Nur immer daran denken, die Zucchini schön klein zu verarbeiten, bloß nicht erst, wenn sie schon zu verholzten Riesendingern verwachsen sind. Tiberio kann man sowieso damit jagen.

Spargelwahn

„Jede Einladung zwischen April und Juli: ein Spargelessen“, schreiben Verena Mayer und Marten Rolff in ihrer pointierten Polemik über den deutschen Spargelwahn. Und fügen hinzu: „Nichts dagegen einzuwenden.“ Doch! Als Kinder durften wir Spargel noch verabscheuen, als Erwachsener kann man ihm ja kaum entfliehen. Persönlich finde ich den blassen deutschen Spargel ungefähr so attraktiv wie einen Badeausflug an den Baggersee: Kann in großer Runde mal ganz okay sein, würde ich allein aber niemals machen. Dieser weiße Spargel ist mir viel zu zickig (schälen, nicht zu viel nicht zu wenig) und hält am Ende fast nie, was er verspricht. Er ist zwar aufdringlich, schmeckt aber fast immer nach nichts.

Aber was mich am meisten stört, ist dieser Spargelterror. Dieser Geschmackskonformismus. Man redet wochenlang darüber. Man isst wochenlang nichts anderes mehr. Der Spargel scheint eine wahnsinnig ernste Angelegenheit für Menschen zu sein, die sich wahrscheinlich auch außerhalb der Spargelzeit ein wenig zu ernst nehmen. Leute, die nie ein Bier im Kühlschrank haben, dafür aber einen eigenen Kühlschrank für ihren Wein. Wer sich als Spargelverächter bekennt, ist ein gesellschaftlicher Outsider, er kann sich eigentlich Monate lang nirgends mehr blicken lassen. Ein Biertrinker zwischen Rieslingkennern.

In Italien gibt’s nur grünen Spargel. Kein Küchenchef hier käme auf die Idee, eine Spargelkarte ans normale Menü zu hängen. Spargelessen unter Freunden: Fehlanzeige, dabei muss man das Gemüse noch nicht mal schälen. Italienischer Spargel ist ein Gemüse unter vielen, wie sympathisch. Da schmeckt er doch gleich viel besser. Und die Wildform kann man sogar umsonst und draußen im Wald finden, zwischen März und Mai.

Aus der Küche (1)

Zuerst Spaghetti vongole, hier ergänzt mit zwei Artischocken, wildem Fenchel und den letzten sieben Wildspargeln, die ich noch gefunden habe: Artischocken kleinschneiden, Spargeln und Fenchel idem, alles mit Stückchen Knoblauch, kleinem Peperoncino und Öl ab in die Pfanne. Nach fünf Minuten kommen die vongole (hier: kleinere, würzigere lupini di mare) dazu. Nach weiteren zwei Minuten ein Schuss Weißwein, salzen, pfeffern, fertig.

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Jetzt Drachenkopf in acqua pazza („verrücktes Wasser“ sagen die verrückten Neapolitaner: In die Pfanne Ideechen Knoblauch, Peperoncino und Öl, siehe oben. Darauf eine Handvoll sehr reife und würzige kleine Tomaten (diese hier sind vom Vesuv, träumt weiter). Fünf Minuten, dann Gläschen Wasser drüber. Nach weiteren zwei Minuten Tomaten vorsichtig zerdrücken. Fisch reinlegen, von jeder Seite zehn Minuten köcheln, fertig. An dieser Stelle, also schon viel zu spät, eine grundsätzliche Bemerkung. Eine Leserin hat angeregt, doch bitte nicht mit Zutaten voranzukochen, die es außerhalb von Italien nicht gibt. Liebe Leute, Kochen ist keine organisierte Religion und ein Rezeptvorschlag kein Dogma. Nehmt Wolfsbarsch, Kabeljau oder Rotbarbe statt Drachenkopf und für die Tomaten müsste ihr auch nicht auf den nächsten Vulkan steigen. Passt dann schon.

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In der Mitte kocht derweil das Spaghetti-Wasser.

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Die Nudeln mit den Vongole vermengen, den Fisch später lauwarm bringen. Das war’s. In einer knappen, halben Stunde.