Nie wieder Inter-Wahnsinn

Verspreche natürlich nicht ich, sondern Antonio Conte. Heute abend, in San Siro gegen den BVB, wird man sehen, wie vernünftig Contes Mannschaft tatsächlich spielt.

Happy Birthday, Trap

Giovanni Trapattoni wird 80. Da kann man nur gratulieren. Salute e felicità. Und nochmal aufschreiben, warum es grundfalsch ist, einen der erfolgreichsten Trainer der Fußballgeschichte auf eine so genannte Wutrede zu reduzieren.

Der Leisetreter

Heute wird die „Gazzetta dello Sport“ 120 Jahre alt. Und ausgerechnet an diesem Geburtstag der ältesten und berühmtesten europäischen Sporttageszeitung ist Cesare Maldini gestorben. Es ist nicht übertrieben  zu sagen, dass ihn ganz Italien beweint. Und deshalb auch hier ein kleiner Nachruf:

Selten hat ein Vorname schlechter zu einem Menschen gepasst als Cesare zu Maldini. Als Cesare Maldini selbst noch Fußball spielte, in den 50er und 60er Jahren, waren andere die Cäsaren des Weltfußballs, nicht ein Abwehrspieler vom AC Mailand. Und als er dann Trainer war, als Assistent von Enzo Bearzot 1982 den Weltmeistertitel mit Italien holte, mit der U-21-Mannschaft drei Mal Europameister wurde und schließlich von 1996 bis 1998 als Chefcoach der Squadra Azzurra arbeitete, da hatte er immer noch nicht Cäsarenhaftes an sich. Weit entfernt von Feldwebel-Allüren oder von revolutionären Ambitionen setzte er auf die gute alte Manndeckung. Mit 70 Jahren hatte er bei der WM 2002 einen Auftritt als Nationaltrainer von Paraguay, bis er im Achtelfinale gegen Deutschland unterging. Es folgte ein kurzes Engagement als Fußballkommentator bei Al Jazeera. Das große Geld und den großen Ruhm überließ Cesare Maldini den nachfolgenden Generationen.

Die Nation nannte ihn Papà Maldini. Nicht nur, weil Cesare bei den Azzurri seinen Sohn Paolo trainierte, der dem Vater auf den Posten als Milan-Verteidiger gefolgt war und ihn bald überflügelt hatte. Paolo Maldini war ein Weltstar, Papà Maldini wurde als Inbegriff eines italienischen Familienvaters verehrt. Sechs Kinder, drei Töchter und drei Söhne, alle mit seiner Frau Marisa, die 54 Jahre lang mit ihm verheiratet blieb.

maldini

 

Soviel Familie war auch damals schon selten für einen Fußballer, sogar in Italien. Ebenso die unbedingte Vereinstreue der Maldinis, die zu den großen Fußballerdynastien gehören: Nach Cesare und Paolo spielen nun auch Paolos Söhne Christian und Daniel beim AC Mailand. In den Fußstapfen des Großvaters, wie zum Beweis dafür, dass Milan schon viel länger und ungleich stärker die Heimat der Maldinis ist als der Klub der Berlusconis. Letztere sind ja nur die Besitzer und wer weiß, wie lange noch. Einstweilen wartet das Milan-und-Maldini-Märchen indes noch auf das Happy End. Denn Paolo, dem Berlusconi nach der aktiven Karriere einen Platz  verwehrte, sucht sein Glück nun in Miami, als Mitbesitzer und Manager des lokalen Zweitligaklubs. Der Vater hat dazu geschwiegen.

Cesare Maldini, Sohn eines Matrosen aus Triest, war Milan-Kapitän und Spielführer der Nationalmannschaft. Er absolvierte zwischen 1954 und 1966 fast 350 Spiele für Milan, gewann vier Meistertitel und war 1963 der erste Italiener, der den Europapokal der Landesmeister hochheben durfte. Das war nach dem Finalsieg gegen Benfica Lissabon und den portugiesischen Cäsar Eusebio.

In der Nacht zum Sonntag, zwei Tage vor seinem 84. Geburtstag, ist Maldini gestorben. Ministerpräsident Matteo Renzi verabschiedete ihn pathetisch als „großen Italiener.“ Der legendäre Milan-Libero Franco Baresi sagte: „Ein anständiger Mann ist von uns gegangen.“ Und es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, welcher Nachruf ihm besser gefallen hätte. Ein anständiger Mann. Für Papà Maldini, der seine große Karriere auf leisen Sohlen absolvierte, gab es mit Sicherheit kein schöneres Kompliment.