O Vesuvio

Lange hat man in Italien nicht derart schönen Fußball gesehen, wie ihn jetzt die SSC Napoli mit seinen Mini-Stürmern Mertens (1,69m) und Insigne (1,63) zeigt. Leichtfüßig und gewitzt, das Gegenteil der Kraftprotzerei, die jetzt überall angesagt ist. Richtig feiner Vintage- Calcio, auch beim Heimspiel gegen Manchester City. Aber während Napoli in diesem Jahr durchaus vom Meistertitel träumen darf (die Juve-Krise macht’s möglich), sieht’s in Europa mau ist. 2:4 gegen City, die dritte Niederlage in der Champions League. Ist halt so: Mit der Offensive gewinnt man Sympathien, mit der Defensive Titel.

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Napoli fliegt

Sieht ganz so aus, als könnte es Napolis Jahr werden. Acht Spiele von acht gewonnen, zuletzt heute abend 1:0 bei der Roma. Vor allem aber der Serie A ein lang entbehrtes, schönes Spiel beschert. Immer sind sie am Ball, immer sind sie überraschend, immer schnell, immer voller Ideen. Der Juve-Kraftfußball ist entzaubert, abgelöst von südländischer Leichtigkeit und technischer Finesse. Juventus wurde heute zu Hause 1:2 von Lazio überrollt, kassierte zwei Tore in acht Minuten, steckt offensichtlich tief in einer Motivationskrise. Was nach sechs Meistertiteln in Serie und zwei CL-Endspielen in drei Jahren durchaus nachvollziehbar ist. Da stimmt im Moment gar nichts, angefangen von der lahmen Offensive um Higuain über das berechenbare Mittelfeld bis zur bröseligen Abwehr. Ende einer Ära.

Immobile oder: nomen est omen

Da muss unsereins mal für ein paar Wochen abtauchen (aus Gründen, die nicht hierhin gehören), und schon geht’s abwärts mit der Squadra Azzurra. Wer hat gesagt, dass neue Besen gut kehren?  Wobei der amtierende Nationaltrainer Giampiero Ventura mit seinen 68 Lenzen vielleicht nicht exakt ein neuer Besen ist. Jedenfalls finde ich es symptomatisch, dass der technisch und intellektuell nicht sehr mobile Ciro Immobile (für alle Nichtitaliener: sein Nachname bedeutet soviel wie unbeweglich) plötzlich als Vaterlandsretter besungen wird. Immobile! Das einzige Mal, dass der mir positiv aufgefallen ist, geschah, als er beim sonntäglichen Rasenmähen um sein Reihenhaus in Unna seine spießige Nachbarschaft auf die Barrikaden gebracht hat. Die Spießernachbarn allarmierten die Polizei, die Polizei klingelte bei Immobile und dann Friede Freude Eierkuchen. Sehr, sehr putzig.

Tja, Sonntags- oder Mittags- oder sonst irgendwelche amtliche Ruhezeiten kennt der Neapolitaner nicht, was unter anderem dazu führt, dass der Spruch Unna sehen und sterben halt eigentlich gar nicht in Unna spielt. Ansonsten ist Ciro Immobile entsetzlich fad und fußballerisch auch mehr Unna als Napoli. Also eine ganz andere Nummer als sein deutscher Namensvetter Lahm.

Und bevor hier Klagen kommen: In Unna kenne ich mich aus.