Gott sieht Rot

…aber schläft nicht. Sagt Cristiano Ronaldos Schwester. So steht es jedenfalls in der SZ.

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Jammertal

Portugal ohne CR7, Italien ohne Juventini: Roberto Mancini probt die Revolution, lässt aus der Freitagself gegen Polen nur drei wieder auf den Platz. Verzweiflung, Experimentierfreude, Lust an der Provokation? Das Ergebnis ist jedenfalls Untergang. Den Portugiesen reicht ein 1:0 von André Silva, nachdem ihnen die Italiener den Ball knapp vor Rui Patricios Tor überlassen hatten. Große Freude zu Pepes 100. Länderspiel. Und hier: Ratlosigkeit. Depression. Jammertal.

Zaza und Immobile! Die Frage ist doch, will man die wirklich spielen sehen? Und will man die wirklich reden hören? Zaza ist der vermutlich weltweit einzige Stürmer, der noch langsamer spricht, als er läuft. Immobile spricht über Instagram. Zum Beispiel trägt er da ein T-Shirt, auf dem „Basta Netflix“ steht.

Hier noch eine gute Nachricht: Italien ist Fußball-Europameister! Im Beach-Soccer.

Und damit ab an den Strand.

Azzurri!

Nach vorn spielen, keine Angst vor Gegentoren. Dann wird das schon, sagt Italiens neuer Nationaltrainer Roberto Mancini. In die Squadra Azzurra hat er viele Debütanten und zwei Verfemte geholt: Domenico Criscito, der zur Unrecht verdächtigt wurde, an Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein – erst drei Jahre später gestand die Staatsanwaltschaft ihren Fehler ein. Und Mario Balotelli, der angeblich Unzähmbare, der den Rechten im Land ein Dorn im Auge ist.

Heute abend, gegen Polen, wird man sehen, ob wirklich ein frischer Wind weht bei den Azzurri. Für den Anfang wäre das ja nicht schlecht.

Kluivert. Justin Kluivert.

Justin Kluivert gibt ein brillantes Debüt bei der Roma. 19 Jahre alt, pures Talent: Der pfeilschnelle und hoch begabte Sohn des großen Patrick Kluivert rettet eine graue Partie der Roma beim FC Toro und beschert Dzeko mit seinem Pass die Vorlage zum 1:0. Da hat man das Gefühl, dass die Roma zumindest auf dem Transfermarkt einiges richtig gemacht hat. Die zweite positive Überraschung ist Torwart Robin Olsen. Der Schwede wurde als Ersatz für den bärenstarken Allison Becker geholt: allgemeine Skepsis. Aber Olsen zeigt zwischen den Pfosten einen geradezu feurigen Einsatz und boxt alles weg, was ihm irgendwie krumm kommt.

Juve, Napoli, Roma haben jeweils drei Punkte eingeheimst. Milan spielt heute noch nicht. Vermutlich ist dort sowieso interessanter, was hinter den Kulissen abgeht. Können Paolo Maldinis Augen lügen? Oder ist die Übernahme durch die US-Heuschrecken von Elliott doch gar nicht so übel? Ich habe da meine Zweifel.

CR7-Day

Einfach irre, was in Turin passiert, wo Cristiano Ronaldo seit den frühesten Morgenstunden von Tausenden Tifosi erwartet wird. Die Leute hängen bei brütender Hitze hinter Absperrgittern, nur um einen Blick auf das Idol zu erhaschen, als der Spieler sich zum Medizincheck begibt. Tatsächlich läuft Ronaldo dann ca. eine Minute an ihnen vorbei und gibt ein paar Autogramme, genauso angespannt und ernst wie immer. Manche Zeitungen, zum Beispiel der einstmals durchaus seriöse „Corriere della Sera“, hatten auf ihrer Onlineausgabe den ganzen Vormittag über einen Livestream laufen, um nur ja nicht Ronaldos halböffentlichen 100-Meter-Lauf vor dem Stadion zu verpassen!

Angekommen war er gestern, mit einem Privatjet, während des WM-Finales. Geniale Idee. Alle friedlich vorm Fernseher, in der Illusion, der Held käme wie angekündigt heute morgen um zehn Uhr. Offenbar hat die Turiner Polizei Juventus darauf aufmerksam gemacht, dass das ein Sicherheitsproblem werden könnte.

Das Verrückte ist, dass im Moment genau zwei Männer die öffentliche Bühne in Italien beherrschen: Der finstere Rechtsaußen Matteo Salvini und die Lichtgestalt CR7. Wobei deren Klientel durchaus gemischt ist. Während Salvini so tut, als könne er mit seinem brutalen Antiflüchtlings-Programm das Land auch nur um einen Deut sicherer und besser machen, soll Ronaldo dem Rest der Welt zeigen, wozu Italien sonst noch fähig ist. Zwei Seiten einer Medaille für das Wir-sind-wieder-wer.

Logischerweise war das von den Agnelli nicht beabsichtigt. Die können sich vor einem, der so hässlich, hasserfüllt und vulgär ist wie Salvini nur gruseln. Wir werden sehen, ob Ronaldo den Finsterling noch weiter verdunkelt, er überstrahlt ihn ja jetzt schon. Der Fußball ist auf jeden Fall die positive Seite des neuen italienischen Größenwahns. Aber was sagt das aus über eine Gesellschaft, dass sie auf einen 33-Jährigen Portugiesen derart viele Erwartungen projiziert?

Heute morgen übrigens Streik im Fiat-Werk Melfi. Fünf von 1.700 Schichtarbeitern haben die Arbeit niedergelegt – aus Protest dagegen, dass der neue Angestellte Ronaldo so viel verdient und sie selbst so wenig. Das seien genau 0,3 Prozent, hat der FCA-Konzernsprecher ausgerechnet. Das Medienecho der Aktion sei unendlich viel stärker gewesen als das, was sich in der Realität abgespielt habe.

Bem Vindos in der PFRI. Populistische Fußballrepublik Italien.