Risiko-Gemüse

Schon klar, man soll nicht zuviel davon essen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (Ja! Gibt es! Leute, die für uns die Risiken einschätzen. Danke!) rät vom regelmäßigen Verzehr von Borretsch ab. Die Pflanze enthalte Pyrrolizidinalkaloide und die seien auf Dauer gefährlich für die Leber.

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Kurz habe ich mit dem Gedanken gespielt, bei den Risikobewertern anzurufen, um mir das ganz genau erklären zu lassen. Setzt ein Stück Borretschkuchen meiner Leber schlimmer zu als ein Glas Schnaps? Oder gar als zwei Schnäpse? Aber als ich gesehen habe, was da heute außer Borretsch auf dem Programm steht, verzichtete ich auf den Anruf. Geflügelpest! Bakterienverseuchter Salat durch aufbereitetes Gießwasser! Gesundheitliche Risiken durch hohe Gehalte an 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureestern! Alles nur eventuell, aber immerhin. Fettsäureestern sind übrigens kein Schreibfehler, sondern etwas viel, viel Schlimmeres. Mein Respekt vor den Risikobewertern ist nach dem Besuch ihrer Instituts-Homepage ins Uferlose gewachsen. Man ahnt ja gar nicht, wovor die uns alles schützen!

Aber zurück zum Gemüse. Für alle, die heute auf ihre Schnäpse verzichten mögen, zwei schnelle Rezepte aus der Wildgemüseküche.

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Das erste ist gar kein Rezept, sondern nur ein Deko-Vorschlag. Ricotta (oder Quark) mit Salz und Pfeffer würzen, Borretschblumen drauf, und schon isst das Auge mit!

Auch nicht viel schwieriger ist Zubereitung Nummer zwei für den Kuchen mit Ricotta (oder Frischkäse) und Borretsch.

Dazu einen Hefe- oder Mürbeteig herstellen (bei mir aus 300g Mehl für eine Springform mit 28cm Durchmesser). 500g Borretschblätter in kochendem Salzwasser höchstens fünf Minuten lang kochen, dann kalt abschrecken und fein hacken. Mit 500g Ricotta und zwei Eiern mischen. Salzen, Pfeffern, evtl. Muskatnuss. 30 Minuten in den Ofen – fertig.

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Mit der gleichen Mischung kann man auch Ravioli füllen (geschieht in Ligurien).

Buon appetito!

 

 

Unter Dachsen

Ein alter Traum von mir ist es, ein Buch über Dachse zu schreiben. Dachse gehören in die Kategorie der chronisch unterschätzten Tiere. Sie stehen ewig in zweiter Reihe, so wie der Esel hinter dem Pferd und die Ente hinter dem Huhn. Der Fuchs ist sagenhaft schlau, der Dachs ist… ja, was eigentlich? Man weiß so wenig über ihn. Dabei ist er doch ein wirklich markant aussehendes Geschöpf.

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Sodoma verhält sich zu Signorelli ja auch ein wenig wie der Dachs zum Fuchs. Der erste gilt als attraktiver Sonderling, der zweite als einer der ganz großen Stars der Kunstgeschichte. In Monte Oliveto Maggiore sprang Sodoma als Ersatz für Signorelli ein, als dieser einen besseren Job gefunden hatte als die Auspinselei eines Kreuzganges in der toskanischen Provinz. Prompt malte die zweite Wahl Sodoma überall Dachse ins Gewölbe. Der Schwarzweiße auf diesem Fresko trägt ein rotes Halsband, ein Hinweis darauf, dass Dachse in früheren Zeiten gezähmt wurden, etwa um Jagd auf Füchse zu machen. Ganz sicher waren sie kein Schoßhund-Ersatz. Denn Dachse stinken. Wie alle Marder setzten sie ihre Drüsensäfte großzügig zum Markieren und zur Selbstverteidigung ein. Auf diesem Fresko scharen sie sich indes sehr zutraulich um einen jungen Mann, der Sodomas Züge trägt. In seinem Haus in Siena umgab sich der Künstler, der eigentlich Giovanni Antonio Bazzi hieß, außer mit Dachsen auch mit Affen, Papageien und Rabenvögeln. Ihm ist es zu verdanken, dass Meles Meles seinen Auftritt in der Welt der Kunst bekam.

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Wir leben ebenfalls mit Dachsen, allerdings nicht unter einem Dach. Die Tiere stehen auch in Italien unter Schutz und sollen schön draußen bleiben. Wie viele es sind, wissen wir nicht genau, aber fast jeden Abend können wir sie hören, wenn sie im Olivenhain Wurzeln ausgraben oder gleich neben dem Haus laut schmatzend irgendwelche Kleintiere verzehren. Dachse essen besonders gern Regenwürmer, aber auch Käfer und Mäuse (die unsere verwöhnten Katzen liegen lassen). Zur Not geht auch Gemüse. Als die Kinder klein waren, schickte ich sie mit den Obst- und Gemüseabfällen zum Komposthaufen, etwa 100 Meter vom Haus entfernt. Ich sagte nicht: „Wirf das Zeug auf den Kompost“, sondern: „Bringe es bitte dem Dachs.“ Das fanden sie gleich viel interessanter.

Heute morgen habe ich dann gesehen, dass das mit dem Dachs und dem Kompost durchaus keine Erfindung war. Denn direkt neben dem Gemüseabfallhaufen auf der Grenze zwischen Olivenhain und Wald, sah ich das hier:

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Der große Baumeister hat gebuddelt. Und wie! Der Dachs gräbt sich ja nicht einfach ein Loch, sondern konstruiert komplizierte Wohnhöhlen, die aus Dutzenden von „Kammern“ bestehen können. Füchse sind als Untermieter willkommen. In Mecklenburg wurde eine weitläufige Höhle entdeckt, die sagenhafte 10.000 Jahre von Dachsen bewohnt gewesen sein soll. Forscher entnahmen das den Knochen-Funden von Beutetieren, die schon seit Urzeiten ausgestorben sind.

Was das Bauwerk auf unserem Grundstück angeht, könnte es sich um zwei neue Ausgänge jener Dachshöhle handeln, deren „Haupteingang“ ungefähr 150 Meter weiter hangaufwärts liegt. Für einen Dachs keine Entfernun, die buddeln ja locker kilometerlange Tunnel. Der neue Höhleneingang ist malerisch mit Efeu umrahmt. Schöner Wohnen bei Signore Tasso.

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Einmal bin ich sogar fast mit ihm zusammen gestoßen. Es war am Hoftor. Ich kam gerade von einem Spaziergang nach Hause, als der Dachs hektisch schnaubend die Wurzeln unter dem Kirschbaum inspizierte. Als er mich bemerkte, protestierte er. Es hörte sich wirklich an wie beleidigtes Schimpfen! Erst nach einer halben Minute drehte er mir sein breites Hinterteil zu und drehte ab.

Meine Nachbarn, der Dachs, ist ein knorriger Typ.

Die Liebe in Zeiten von Corona

Es sind schlechte Zeiten für die Wirtschaft, aber darüber sollen sich andere verbreiten. Tun sie ja auch zu Genüge (wobei die meisten davon ausgehen, dass wir KonsumentInnen nachher willig konsumieren wie vorher. Ich bin mir da nicht so sicher, weil ich gerade vor allem lerne, was ich alles NICHT brauche.)

Es sind schlechte Zeiten für die Liebe. Für jene, die jetzt einen geliebten Menschen verlieren, ohne sich von ihm verabschieden zu können. Das ist das Schlimmste. Aber dann gibt es auch die vielen Liebenden, die sich nicht sehen können. Junge Leute mt ihren Fernbeziehungen, oft in zwei verschiedenen Ländern. Die Generation Erasmus, Heerscharen von Europäern, die bis gestern noch der Arbeit oder der Liebe wegen ins Flugzeug stiegen wie weiland ihre Großeltern in die Straßenbahn. Für sie ist die Liebe jetzt wie eingefroren auf dem kalt leuchtenden Rechteck des Smartphones oder des Computers. Enttäuschend wie diese verheißungsvoll glitzernden Schmetterlinge auf einer Mauer in Rom: Pures Plastik.

 

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Und dann gibt es tatsächlich zwei, die sich finden. Auf Distanz, von Balkon zu Balkon, in Verona.

Verona. Balkon. Da war doch mal was.

„But soft! What light through yonder window breaks? It ist the east and Juliet is the sun! Arise, fair sun, and kill the envious moon, who is already sick and pale with grief.“

Hier spricht ein gewisser Romeo Montague, der widerrechtlich im Garten der Familie Capulet herumlungert, um einen Blick, ein Wort und einen Kuss seiner angebeteten Julia zu erhaschen.

„With love’s light wings did I o’er perch this walls; for stony limits cannot hold love out.“

Michele D’Alpaos formuliert das etwas schlichter. Er hat auf seiner Terrasse ein Bettlaken mit dem aufgepinselten Namen „Paola“ montiert. Paola ist seine Nachbarin. Sie wohnt im sechsten Stock der Via Cimarosa 8 in Verona und Michele wohnt im siebten Stock in der Via Cimarosa 9. Michele ist 38 Jahre alt, Bankangestellter. Paola ist 39 Jahre alt und Rechtsanwältin. Jahrzehntelang sind sie einander nicht aufgefallen. Aber dann kommt der 17. März, die Ausgangssperre, ein Balkonkonzert. Paolas Schwester spielt auf ihrer Geige „We are the Champions“ von Queen. Michele hört zu. Und sieht Paola, neben ihrer Schwester. Er macht sie auf Instagram ausfindig – und so fängt es an: „Wir telefonieren zehn Mal am Tag und schauen uns über Stunden einfach nur an, von Balkon zu Balkon.“ Mehr sei noch nicht gewesen, schwören beide. Die Kontaktsperre!

„Nie hätte ich gedacht, in solch einer Situation so starke Gefühle empfinden zu können“, sagt sie. Dabei ist verbotene Liebe doch ein Klassiker. Nachschlagen bei Shakespeare: Nachts schläft in Verona auch die Polizei.

 

 

 

Esel in Quarantäne

Unser Esel Nando ist am 11.11.11 geboren. Ein echter Karnevalsprinz also. Aber Nando weiß natürlich nichts von Karneval. Er kennt keine fünf Jahreszeiten, sondern nur trocken und nass, warm und kalt, Heu und Karotte. Nando ist ein ziemlich schüchterner, mittelmäßig störrischer Esel. Dass wir ihn nach Nando Mericoni benannt haben, den Protagonisten des Kult-Films „Un Americano a Roma“, ist ein Witz. Unser Nando ist keine Knalltüte wie Mericoni, sondern für einen Eselhengst unglaublich sanft. Ich sage jetzt nicht: verträumt, weil das eine Unterstellung wäre.

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In der Fünfer-Herde geht Nando immer ein bisschen unter, weil er sich nicht so nach vorn drängelt wie seine Verwandtschaft. Dafür ist er nachts am lautesten. Jedesmal, wenn ein Wildschwein oder ein Stachelschwein in seine Nähe kommt, schreckt Nando aus seinem Schlaf auf und fängt empört an, zu trompeten. Daher weiß ich, dass das Nachtleben rund um die Eselwiesen aufregender ist als in den Movida-Vierteln von Rom. Anstatt Eselmilch zu produzieren, wie ahnungslose Städter-Freunde mir seit Jahren nahelegen, sollte ich endlich den Jagdschein machen und mich nachts mit einem Gewehr bei Nando verschanzen. Nein, ich habe kein Mitleid mit Wildschweinen. Stachelschweine würde ich natürlich laufen lassen. Die stehen unter Schutz, auch wenn sie als „umbrischer Kaviar“ gelten.

Zurück zu Nando. Und Auftritt Dottore Carlo. Das ist unser Tierarzt, vielmehr: Der Eselarzt. Das Kleinvieh hat einen anderen Doktor. Carlo, der Vet also, drahtig, alterslos, zu jeder Jahreszeit im T-Shirt, absolviert mit seiner mobilen Praxis täglich zwischen 300 und 400 Kilometern, hügelauf und hügelab. Er kommt immer, wenn man ihn ruft. Egal, ob Wochenende ist oder Weihnachten, Tag oder Nacht. Vor allem kommt er nach dem ersten Einsatz ungefragt nochmal wieder, um zu kontrollieren, ob es den Viechern besser geht. Der Mann ist der Beweis dafür, dass im Umgang mit Tieren vor allem Charisma zählt. Er tritt auf, und die Belegschaft wird ruhig. Keiner trompetet, keiner rennt weg, keiner wird ruppig. Wenn Carlo mein Hausarzt wäre, dann hätte ich ein sorgenfreies Leben. Aber als Eselarzt ist er natürlich auch schon mal sehr beruhigend.

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Nando, der Sanfte, hat entzündete Augen. Zum Glück nichts Schlimmes, sondern nur eine lokale Entzündung durch Spelzen im Heu. Also zehn Tage Antibiotikum und Augensalbe. Bei Nichtbehandlung kann so eine Spelze übrigens wirklich gefährlich werden, es droht sogar die Erblindung. Heute morgen sah es schon besser aus.

Forza, Nando!

 

Demut

Wenn ich mir meine Einträge von vor zehn, ach was sieben Tagen ansehe, befällt mich ein Gefühl der Scham. Wie lange es doch braucht, bis man kapiert, was hier geschieht! Also, jedenfalls habe ich lange gebraucht. Mich lange gesperrt gegen dieses grauenhafte Zahlengewitter allabendlich um 18 Uhr, wenn der Zivilschutz die neuen Zahlen veröffentlicht. Gegen die unerträglichen Bilder aus Bergamo. Heute kann ich unsere Vorfahren im Sommer 1914 etwas besser verstehen, die ähnlich kalt erwischt wurden: Attentat in Sarajewo und auf einmal war Krieg. Aus heiterem Himmel ist unser Alltag angehalten, unser ganzes Leben. Und wir wissen nicht, wie es weitergeht.

Es ist Krieg, jedenfalls in Italien. Und leider inzwischen auch in Spanien. In Großbritannien und in den USA, wo alles noch viel schlimmer ist, weil die Menschen noch nicht einmal ein staatliches Gesundheitssystem haben und dazu einen aggressiven Idioten als Staatenlenker. 75.000 Kranke, 7.500 Tote, bei weitem nicht nur alte Leute. Das ist Italien, wo in den letzten vier Tagen die gleichbleibende Zahl von 3.500 Neuansteckungen schon für vorsichtigen Optimismus sorgt. 3.500 täglich.

Sicher, auch in diesen Zeiten darf man es weiterhin absurd finden, dass das Innenministerium ein tägliches Alternativ-Bulletin verabschiedet. 228.057 Polizeikontrollen mit 8.310 Anzeigen an einem Tag! Macht seit Beginn der Ausgangssperre 2,5 Millionen Kontrollen mit 109.964 Anzeigen nach Paragraph 495 und 650 StGb. Die Jagd auf Ungehorsame scheint also ziemlich erfolgreich zu sein, leider handelt es sich jedoch um einen Nebenkriegsschauplatz. Denn der eigentliche Kampf wird Gottseidank nicht von der italienischen Polizei geführt, auch nicht von der Politik oder den Ökonomen, sondern von WissenschaftlerInnen. Die gute alte Schulmedizin wird uns retten! Leute, deren Waffe ihr durch gründliches, geduldiges Studium angeeignetes Wissen ist und ihr Mut zum Experiment. Der kranke Westen wird von Ärzten kuriert, die nicht nur rund um die Uhr in den Krankenhäusern arbeiten, sondern auch in den Labors.

Darauf zu warten, bis es soweit ist, das ist jetzt die große Demutsübung. Und irgendwann kann man dann wieder schauen, wie es den anderen geht. Zuerst natürlich den eigenen Lieben. Und dann denen, die in diesen düsteren Zeiten an die heitere Seele Italiens erinnern. Wie dieser Knoblauchverkäufer an den Salinen von Trapani.

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Addio Maestro

Heute früh ist im Alter von 74 Jahren Gianni Mura gestorben. Sportreporter, Betrachter des Menschlichen, Kommentator der Zeitläufte, Schriftsteller und Gourmet.

Ein Mann von umfassender Bildung, gelassener Ironie und unbestechlicher Haltung. Mura konnte schreiben wie der Teufel und er tat es unbeirrt auf seiner uralten Olivetti-Schreibmaschine. Als ich ihn damit zum ersten Mal in San Siro auf der Pressetribüne sah – es muss im Winter 1999 gewesen sein – war er schon der Letzte seiner Art. Olivetti, Zigarette, dazu Wollpullover in wechselnden, undefinierbaren Farben, die im Sommer durch eine Fotografen-Weste ausgetauscht wurden.

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Mit dem Fußball verband ihn eine Hassliebe, aber zur Höchstform lief er beim Radsport auf. Hier ein paar Gedanken zu seinem 70., als er die soundsovielte Frankreich-Rundfahrt begleitet hatte.

Mura war ein grandioser Lebens-Erzähler, ein unermüdlicher, aber nie eifernder Journalist. Das Investigative lag ihm nicht, das Betrachtend-Analytische umso mehr. Jeden Sonntag erschien in „La Repubblica“ seine Kult-Kolumne: „Sieben Tage böser Gedanken“, dabei hatte dieser Mann gar keine bösen Gedanken, er wunderte sich höchstens über die der anderen. Männer (und sehr selten auch Frauen) aus Sport, Politik und Gesellschaft bekamen in dieser Kolumne ihr Fett weg. Denn eine Trennung zwischen dem Sport und dem Rest, die gab es für Gianni Mura nicht.

Er war uneitel bis zur Bescheidenheit. Man sah ihn nicht in Talkshows und schon gar nicht in jenen unsäglichen Fußball-Dummschwätz-Runden. Soziale Netzwerke: Null, naturalmente.

Ein Schreiber ist ein Schreiber ist ein Schreiber. Mura war ein Großer. Vielleicht war er der größte italienische Journalist.

 

Carabinieri

Die Carabinieri sind bei weitem nicht die einzige Polizisten in Italien. Es wären da noch: Die Finanzpolizei (Guardia di Finanza) , die normale Polizei (Polizia), die Ordnungspolizei (Vigili), sowie in Sizilien und in Südtirol die Forstpolizei. Aber die Carabinieri sind am bekanntesten und am populärsten. In jeder Dorfkneipe, bei jedem Herrenfrisör liegt die Zeitschrift der Carabinieri aus wie eine Art italienische Bäckerblume. Dass sie viel präsenter sind als die übrige Polizei, liegt wohl auch an ihren tollen Uniformen, den schnittigen Alfa Romeos und den Super-Sonnenbrillen.

Es gibt sie seit mehr als 200 Jahren, nämlich seit dem 13.7.1814. L’Arma dei Carabinieri, gegründet im Piemont, ist älter als Italien. Die Carabinieri haben massiv zur Einigung Italiens beigetragen, bis heute ist der Anteil der Süditaliener bei dieser Militärpolizei sehr hoch. Die ersten Süditaliener, die noch vor der Emigrationswelle der 50er und 60er Jahre nach Norden gingen, waren Carabinieri.

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Kommt ein Carabiniere zum Automechaniker: „Sieh dir mal das rechte Rücklicht an.“

„Was soll damit sein?“

„Mal geht es, mal geht es nicht.“

„Das ist der Blinker!“

Das war jetzt ein Klassiker der Carabinieri-Witze. Und dann gibt es natürlich die Heldengeschichten all‘ derjenigen, die im Kampf gegen die Mafia gefallen sind. Ein General wie Carlo Alberto dalla Chiesa. Und unzählige andere.

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Die 110.000 Männer und seit 2000 auch Frauen werden auch mal im Ausland eingesetzt, und sind im Inland unter anderem zuständig für Umweltschutz und die Sicherstellung geraubter Kunstwerke. Italiens Umweltminister Sergio Costa ist ebenfalls Carabinieri-General, er hat sich einen Namen im Kampf gegen die Giftmüll-Mafia gemacht.

Derzeit sind die Carabinieri im Einsatz gegen einen unsichtbaren Feind:

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Sie kontrollieren, dass überall die Ausgehsperre eingehalten wird. 500.000 Kontrollen in vier Tagen, 20.000 Bußgelder, unzählige Ermahnungen.

An die Frau, die ihren Hund dreimal am Tag ausführt (angeblich zu oft).

An den Mann, der zum Zeitungskiosk unterwegs ist (angeblich überflüssig).

An den Alten, der in seinen Garten außerhalb der Ortschaft will (total verwegen).

Auch hier im Dorf stehen die Carabinieri. Halten Leute an, die zur Apotheke spazieren oder zum Bäcker. Schon klar, die Militärpolizei macht ihre Arbeit. Aber gruselig ist es doch. Und man sehnt die Stunde herbei, da die Carabinieri wieder Verbrecher jagen.

A propos: Normale Verbrechen, gibt es die im Moment eigentlich noch?