Auguri Capitano

Vermutlich sind weltweit Internet-Passwörter nicht so leicht zu knacken wie in Rom. Konservativ geschätzte 80 Prozent bestehen aus Kombinationen mit 1976, 27 settembre, numero 10 oder einfach: Francesco Totti. Heute wird Totti 41, es ist der erste Geburtstag als pensionierter Spieler.

Es gibt noch ein Datum, das 80 Prozent der Römer parat haben und in Ewigkeiten nicht vergessen werden – der 28. Mai 2017. Niemand käme auf die Idee, es als Passwort zu benutzen. Niemand schafft es auch nur, sich dieses Video anzuschauen. Wir knabbern noch daran. Am meisten wohl der Capitano selbst.

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Der Gott als Lehrling

Francesco Totti hat die längsten Ferien seit seiner Schulzeit beendet. Und arbeitet wieder, wie schon seit 25 Jahren, bei der Roma. Aber jetzt trägt er lange Hosen.

tottihosen

Totti spielt nicht mehr, er ist Lehrling im Management (der Herr links ist kein Leibwächter, sondern der neue Sportdirektor Monchi).

Nein, wir sind auch nicht glücklich darüber. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Kopf hoch, Capitano!

Freiheitsberaubung

Heute im Parlament: Die Fünfstern-„Bewegung“ des komischen Komikers Grillo lehnt einen Gesetzentwurf zur Strafverfolgung neofaschistischer Propaganda mit dem Argument ab, das sei „freiheitsberaubend.“

Jeder hat das Recht auf persönliche Ahnungslosigkeit, daran wollen wir hier gar nicht deuteln. Aber wer sich in einer Demokratie zum Volksvertreter bestellen lässt, der sollte wenigstens annähernd wissen, was links und rechts, Freiheit und Diktatur, Regierung und Regime bedeuten (die Grillini plappern gern vom Renzi-Regime). Der sollte vielleicht auch ungefähr wissen, was sich in Italien, Europa und der Welt ereignet hat in den Jahren 1922-1945. Um dann womöglich auch nicht gar so dumm daher zu schwätzen, wenn es um Flüchtlinge geht, die die Fünfstern-Leute neuerdings als persönliche Freiheitsberaubung und Bedrohung der Italiener empfinden.

A propos Europa: Man wird sich noch die Haare raufen nach der Italienwahl 2018, falls es tatsächlich zur Koalition von Grillo und Lega Nord kommen sollte. Die Lega ist selbstredend auch gegen Strafe für Faschisten, weil es „unsinnig ist, im Jahre 2017 noch eine Meinungsäußerung unter Strafe zu stellen.“

Tja, rechts unten im Trüben fischen alle gern. A propos fischen: Die historische Leistung der Fünfstern-„Bürgermeisterin“ Raggi besteht darin, dass sie Rom nach 2000 Jahren gerade das Gratis-Wasser abdreht. Kaiser und Päpste, Kommunisten und Faschisten hatten die städtischen Trinkwasserbrunnen für Durstige aus aller Welt fließen lassen, zuletzt gab es in ganz Rom noch rund 2800. Unsere Tochter, die gerade am Fuße des Palatin in der römischen Urgeschichte buddelt, füllt an einem dieser Brunnen ihre Wasserflasche. Ob Archäologen, Bauarbeiter, Passanten oder Touristen – alle haben Erfrischung nötig in einem Rekordsummer mit Dauerhitze seit Mitte Mai.

Pure Verschwendung, befanden die Handlanger des komischen Komikers. Und drehen gerade täglich 80 Hähne ab.

nasone

Rom ohne fließende Brunnen, kann man sich etwas Traurigeres vorstellen? Die gesparte Wassermenge ist übrigens minimal. Aber die Botschaft, die ist geballt angekommen.

 

Endlich Stammplatz

Die schönste Karikatur zum Totti-Abschied kommt von der Gazzetta:

vignetta

Will heißen: Totti hört auf. Und Papst Franziskus denkt: „Endlich werde ich Stammspieler.“ Weil er halt bis heute abend doch nur die Nummer 2 in der Stadt ist und als Francesco ja sowieso.

Während wir uns hier auf das vorbereiten, was der Volksmund psicodramma nennt, nämlich die tränenreichste Abschiedsvorstellung ab urbe condita, seit der Stadtgründung, schnell noch einen Blick in die Nachbarliga im Land von Francesco II.

Da hat nämlich gestern das Päpstliche Urbanuskolleg mit einem glatten 2:0 gegen die Päpstliche Universität Gregoriana den Titel geholt. Die angehenden Missionare vom Urbanuskolleg wurden zum dritten Mal Meister in der Priesterliga des Vatikans (es gibt auch noch eine Laienliga, wo die Schweizer Garde Rekordmeister ist, gefolgt von den Museumswachen der Sixtinischen Kapelle). Titelverteidiger war das Institut Mater Ecclesiae, die wurden aber diesmal nur Dritter.

Soviel zur Liga mit dem Heiligenschein.

Und jetzt schalten wir wieder um zum Fußballgott.

Capitan Futuro

Capitan Futuro, das ist der alte Spitzname von Daniele De Rossi, der schon vor vielen Jahren als Tottis Nachfolger angepriesen wurde. Stattdessen wurde De Rossi der Prince Charles der Roma, über seine Zukunft redet schon lange keiner mehr. Was uns beschäftigt, ist die Zukunft des Capitano. Dazu folgender Dialog heute morgen beim Bäcker Massimo.

Was glaubst du, wird Totti machen?

Frag Ilary.

Was?

Ilary. Überleg doch mal: Wer entscheidet in der Familie?

Die Frau. 

Eben. Wenn Ilary in Rom bleiben will, wird Totti Manager. Will sie aber nach Miami, geht’s nach Miami. Oder an den Persischen Golf.

Niemals im Leben.

?

Persischer Golf. Burka!

Also Miami. Sie am Strand und im amerikanischen Trash-TV, er pölen mit Miamis Trainer Alessandro Nesta, seinem alten Freund.

Hundert pro.

Nesta ist Laziale.

Sag ich doch. Hundert pro.