Vortänzer

Ein paar klitzekleine Quizfragen zum Wochenanfang, nur mal so zum Aufwärmen beim Ballett mit den eigenen Vorurteilen: Wer ist der größte Produzent von Bio-Produkten in der EU? Richtig: Italien. Im Konsum auf Platz zwei, weil es halt mehr Deutsche gibt. Nächste Frage: Welches Land hat als einziges in der EU die Ziele für die Energiewende überfüllt? Genau, schon wieder Italien. Dass Deutschland bei den erneuerbaren Energien hinterher hinkt, ist ja hinlänglich bekannt. Dafür recyceln die Deutschen ihren Müll besser, oder? Pustekuchen. Über eine Million Tonnen Kunststoffabfälle werden jährlich in ärmere Länder exportiert, aus Italien geht noch nicht einmal ein Fünftel ins Ausland – natürlich immer noch zuviel. Plastiktüten sind dafür in Italien seit zehn Jahren verboten. Seit zehn Jahren! In Deutschland kommt das Verbot erst 2022.

Wer im Urlaub die Augen offen hält, wird bemerken, dass viele Städte und Gemeinden der Bevölkerung Trinkwasserautomaten zur Verfügung stellen, die zum Spottpreis von fünf Cent pro 1,5 Liter aufbereitetes Wasser ohne oder mit Kohlensäure anbieten.

Und bei uns im Dorf gibt es jetzt das:

Abfall-Behälter für Pflanzenöl, neben den schon vorhandenen für abgelaufene Medikamente und Batterien. Papier, Hausmüll, Biomüll und Wertstoffe werden zweimal wöchentlich abgeholt. Jawohl, zweimal wöchentlich. Schafft Arbeitsplätze! Oder man entsorgt sie in den kollektiven Behältern an verschiedenen Stellen im Dorf. Letztere Form der Mülltrennung bietet auch die Millionenstadt Rom.

Nur, um jenseits des Achtelfinal-Einzugs der Azzurri positiv in die Woche zu rauschen. Nicht ohne den Impfmuffeln hüben und drüben dieses Video aus dem Krankenhaus von Perugia ans Herz zu legen.

Viva la leggerezza!

Der Landvermesser

Kein Zufall, wenn die Fußballoper zusehends zur Nostalgieveranstaltung mutiert. Es ist halt alles ein großer und melancholischer Abgesang – denn wer will schon die Instagram-Affen von heute bezwitschern, jene Immobiles, die ihre Länderspieltore mit einem markigen „Porca Puttana“ besiegeln. Ganz genau, das heißt: Dreckige Nutte. Und Schluss mit Oper, auf solche Typen verschwende ich keine Zeile und keinen Gedanken, so üppig könnte die Schmutzzulage ja gar nicht ausfallen. Oder Pogba und Cristiano Ronaldo, die Meister im Zocken, Selbstvermarkten und Flaschenverschieben. Ohne mich, Leute, schlimmer ist nur das Eiern auf der Psycho-Schiene. „Manchmal liege ich nachts wach. Ich bin doch auch nur ein Mensch“, hat Jogi Löw alles Ernstes der ZEIT geflüstert. Und weil der Chefredakteur himself das Interview geführt hat, wurde es mit genau diesem Sensations-Geständnis im Titel auf zwei Seiten ausgebreitet. Zwei ZEIT-Seiten! Der Syrien-Krieg ist ja nichts gegen die Erkenntnis, dass Bundestrainer Löw auch ein Mensch ist. Unter uns Klosterschwestern: Ein ziemlich langweiliger, ich habe soviel Tiefschürferei dann doch nicht bis zum Ende geschafft, bei Händel wäre es ein Rezitativ. Wieso interviewt Giovanni nicht mal Mourinho? Der grübelt nachts nicht über seiner Mannschaftsaufstellung wie der kreuzbrave Löw, sondern schnarcht den basstiefen Monster-Schlaf der Ungerechten. Aber, Achtung Tipp: Der Typ ist unterhaltsam. Ganz anders als Löws Nachfolger Hansi Flick, welcher sich bereits sehr frühzeitig den Trainerverstehern aus Hamburg anvertraut hat. Titel: „Ich möchte mir ein paar Geheimnisse bewahren.“ Was man angesichts seiner großzügig hingeblätterten Banalitäten nur begrüßen kann.

Womit wir bei Giampiero Boniperti wären, einem veritablen Heldentenor der Fußballoper, heute im Alter von fast 93 Jahren verstorben. Bei Juventus absolvierte er von 1946 bis 1961 nicht weniger als 460 Spieler-Einsätze, als Präsident zwischen 1971 und 1990 holte er neun Meistertitel, 2 Uefa-Cups, 1 Pokal der Pokalsieger und den unglückseligen Landesmeister-Pokal 1985 im Brüsseler Heysel-Stadion. Dort bestand Boniperti darauf, allen 39 Toten – fast ausnahmslos Juventus-Tifosi – die letzte Ehre zu erweisen. „Er schritt an diesen provisorisch aufgebahrten Leichen vorbei“, schreibt heute Maurizio Crosetti in seinem Nachruf, „wie ein General an seiner in der Schlacht untergegangenen Truppe.“ Er ganz allein, so wie er auch allein die Entscheidung getroffen hatte, seinen Spielern das Ausmaß der Katastrophe zu verschweigen, ihnen das Weiterspielen zu befehlen, während auf den Tribünen die Welt unterging. Juventus holte den Pokal mit einem Tor von Platini. Bis heute wird bei jedem Juventus-Heimspiel an die Toten von Heysel erinnert. Und wer weiß, wie viel Nächte Boniperti wach gelegen hat, mit der Erinnerung an die grauenhaften Bilder von Brüssel.

„Siegen ist nicht wichtig. Es ist das Einzige, das zählt.“ Boniperti, ein italienischer Preuße, blond, blauäugig, pflichtversessen. Mut, Zurückhaltung, Disziplin für ein Leben bei Juventus. „Marisa“ nannten ihn die gegnerischen Fans, wegen seiner blonden Locken. Was besonders lustig war, verkörperte Boniperti doch geradezu idealtypisch jene markig-humorlose Männlichkeit, die auch in Deutschland den Schwarzweiß-Fußball prägte. Aber derart mit allen Wassern gewaschen wie dieser harte Hund waren sie nördlich der Alpen dann doch nicht.

„Unter Boniperti Fußball zu spielen war, wie bei Fiat zu arbeiten“, hat Dino Zoff mal erzählt. Der Torwart musste bei Gehaltsverhandlungen immer als Letzter ins Büro von Präsident Boniperti eintreten. Zoff war zwar Kapitän, aber es ging nach Nachnamen-Alphabet. Und Boniperti zog verlässlich sowieso immer nur die Niederlagen aus dem Karteikasten: „Gegen diese Gurken hast du gepatzt und jetzt willst du dafür auch noch mehr Kohle?“

Er war der Stallmeister der beiden Agnelli-Brüder Gianni und Umberto, denen die Juve gehörte und die den Glamour für sich gepachtet hatten. So überschüttete Gianni die Frau von Michel Platini mit roten Rosen, als er beharrlich um den Franzosen warb, den Boniperti für überschätzt und überflüssig hielt. Weil der zähe Manager die Vertragsverhandlungen führte, konnte Patron Agnelli später triumphieren: „Wir haben ihn für ein Stück Brot angeheuert und er hat Foie Gras draufgelegt.“ Auf dem Foto sieht man Gianni und Boniperti im Stadion, Boss und Präsident. Letzterer mit Zigarette. Er hat den Juve-und Fiat-Eigentümer nie geduzt.

Von Beruf war Boniperti geometra, also Landvermesser. Und so stellte er sich vor, wenn er Spieler anwarb oder sich in Zeitungsredaktionen beschwerte. „Buongiorno, hier spricht geometra Boniperti.“

Landvermesser, ein Beruf wie aus einer Kafka-Erzählung. Aber mit Kafka hatte Giampiero Boniperti so gar nichts am Hut. Denn nur Siegen zählte und seine Siege konnte er am Ende gar nicht mehr zählen. So einem sagt man zum Abschied nicht leise Servus, sondern Chapeau.

(Die Bilder sind aus meinem Buch „La Fidanzata – Juventus, Turin und Italien.“ Erschienen 2018, naturalmente bei Berenberg.)

Die Nacht vor den Prüfungen

Heute starten in Italien die Abiturprüfungen – zum zweiten Mal während der Seuche, die das Land so furchtbar getroffen hat. Wie immer berichten alle Medien groß über die Abi-Themen und über die Reaktionen der SchülerInnen, dazu werden Kommentare der Verantwortlichen aus dem Ministerium eingeblendet, die versichern, es handele sich keineswegs um leichtere Prüfungen, das fehlte ja noch, nur wegen Corona.

Man muss die Abiturientinnen bewundern und ihnen die Daumen drücken. Sie haben einen immens hohen Preis gezahlt. Ausgangssperren, Distanzunterricht, Maskenpflicht (in Italien gilt sie bei 30 Grad auch im Freien und nein, niemand protestiert oder verweist auf dubiose Atteste), die Sorge um und mit den älteren Familienmitgliedern, den Eltern und Großeltern. Kurz vor dem Abi sind sie geimpft worden. Es gab bei diesen Massenimpfungen einen Todesfall in Genua, eine Schülerin starb nach einer Astra-Zeneca-Ration. Es stellte sich heraus, dass sie an einer schweren Vorerkrankung litt und riskante Medikamte nahm. Die AS-Impfkampagne wurde für unter 60-Jährige ausgesetzt.

Allgemein muss man sagen, dass Italien viel besser impft als Deutschland. Die Kampagne ist hervorragend organisiert, es gibt kein Hauen und Stechen und Ellbogenausfahren, keine Drängelei, sondern eine Bevölkerung, die Schlange steht und ohne weitere Umstände einen Termin zugewiesen bekommt. Inzwischen sind als letzte Gruppe die unter 25-Jährigen dran. In der Summe sind ungefähr so viele Menschen wie in Deutschland geimpft, nur ohne die groteske Schlacht um einen Termin, ohne Telegram-Apps und Last-Minute-Stich.

Zurück zu den Abis. Vor dem Liceo Torquato Tasso, einem der großen humanistischen Gymnasium Roms, versammelten sie sich gestern abend, um gemeinsam ihre Prüfungsangst wegzureden und vor allem: wegzusingen (ab Minute 1:13). „La notte prima degli esami“, ein alter Song von Antonello Venditti, dargeboten vom maskierten Abiturientinnenchor des Tasso.

Buona fortuna, ragazzi!

Nach Perlen tauchen

Ein Dank an die Perlentaucherinnen, die „Neros Mütter“ unter die besten fünf Sachbücher des Monats gelistet haben! Natürlich ein Zufall, dass ich die einzige Frau zwischen vier männlichen Autoren bin. Vielleicht aber auch nicht, denn die ganz überwiegende Anzahl von Sachbüchern wird von Männern verfasst und besprochen, Frauen schreiben und rezensieren eher Romane. Allerdings wurde der Sachbuch-Preis der Buchmesse Leipzig soeben an eine Frau vergeben, an Heike Behrend für „Menschwerdung eines Affen.“ Auf der Shortlist mit fünf Titeln stand immerhin eine andere Autorin. Essayistik ist mühsam, macht viel Arbeit und verkauft sich (allermeistens) schlecht, weil sie auch beim Lesen anstrengend bleibt. Aber wer nach Perlen tauchen will, der braucht halt Ausdauer.

Hinter Gittern

Die Hälfte der BundesbürgerInnen hat die erste Impfung erhalten und zusehends dreht sich das allgemeine Lamento nicht mehr um Warteschlangen, Drängler, Biontech oder Astra, sondern um die Kopfschmerzen und den Schüttelfrost danach. Sowie natürlich um Urlaubspläne. Und während die Republik und ihr Gesundheitsminister der Kinder-Immunisierung und somit dem sorgenfreien Vor-Wahl-Sommer entgegenfiebern, schieben sich plötzlich diejenigen in den Vordergrund, die man im Eifer des Impf-Gefechts vergessen hatte (und ehrlich gesagt, auch sonst): Leute hinter Schloss und Riegel. Häftlinge. Knackis, wie mein Onkel Rolf zu sagen pflegte, der als Schließer in der JVA Werl arbeitete und in den Pausen stoisch Altgriechisch paukte, „damit mir die Spitzbuben nicht mein ganzes Hirn auffressen.“ War politisch nicht korrekt, der Onkel. Andererseits: Er war halt drin im Knast, ein Berufsleben lang. Und er meinte es übrigens zärtlich.

Knapp 40 der über 1000 Häftlinge in der JVA Werl sind Corona-positiv. Wie viele es noch sind und werden, wie stark sie betroffen sind – man weiß es noch nicht. Der Ausbruch der Seuche im großen Knast einer Kleinstadt hat jedenfalls schon blankes Entsetzen ausgelöst. Nicht wegen der Knackis. Sondern, weil er die Inzidenz im gesamten Kreis Soest wieder über 35 treibt und deshalb die Öffnung der so bitter entbehrten Innengastronomie bedroht. Alles wieder zu, nur wegen ein paar Häftlingen! Freiheitsberaubung durch Gefangene! Erst, als das Land NRW eine Ausnahmeregel anerkannte – Corona-Ausbruch innerhalb einer abgeriegelten Einrichtung kann nicht die Allgemeinheit betreffen – folgte das große Aufatmen. Das fehlte auch noch, dass uns ein paar Knackis vom Shoppen und Feiern abhalten, ganz zu schweigen vom wirtschaftlichen Schaden!

Ich frage mich: Wie kann das sein? Die Hälfte der Leute erstgeimpft und ausgerechnet die Häftlinge vergessen? Wieso sind die nicht priorisiert? Warum wurden die nicht schon nach Ostern geimpft? Gefängnisse sind wie Altenheime, Obdachlosenhäuser oder Flüchtlingsunterkünfte, auf engstem Raum leben viele Menschen zusammen, die da nicht weg können. Schleppt eine oder einer das Virus ein, kann es sich rasend schnell ausbreiten. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten, also die KollegInnen von Onkel Rolf, macht schon seit Monaten auf das Problem aufmerksam. Offenbar ohne Resultat.

Es ist ein Skandal. Wer seine Strafe abbüßt, hat ein Recht auf Schutz durch den Staat, der ihn oder sie mit Freiheitsentzug belangt hat. Häftlinge gehören umgehend immunisiert. Schickt die KinderärztInnen in den Knast.

Ave!

Enrico Michetti gilt als wahrscheinlichster Kandidat der Rechten für die römischen Bürgermeisterwahlen im Herbst. Wahrscheinlich, weil er es weit bringen dürfte, als typisches Gewächs eines stockkonservativen – um nicht zu sagen: ewiggestrigen – römischen Bürgertums, das seinen Provinzialismus und seine spießige Verbohrtheit mit wurschtiger Leutseligkeit verbrämt. Michetti, 55, Rechtsanwalt, hat seine Finger überall drin, seit er auf die geniale Geschäftsidee kam, ein Magazin amtlicher Verlautbarungen online zu stellen. Vor allem aber ist er beliebter Gast in den Lokalradios, von denen es in Rom circa zwei Dutzend gibt. Dort quatschen sehr viele Männer sehr viel über Fußball und die meisten sind sehr rechts. Einer von ihnen, Mario Corsi, ist sogar ein ehemaliger Rechtsterrorist. Seit Jahren moderiert Corsi „Te la do io Tokyo“ , ganz Rom kennt ihn als „Marione“ und Obertifoso der Roma.

Marione, Michetti und die anderen bilden das Hintergrundgeräusch des römischen Alltags. Im Taxi, beim Friseur, in den Bars, überall laufen diese Sendungen, überall quatschen einen die Rechten besoffen mit ihrem Slang aus frauenverachtenden Zoten, homophoben Beleidigungen und rassistischen Unterstellungen.

Michetti hat sich jetzt damit hervorgetan, den so genannten „römischen Gruß“ als hygienischste Form in Covid-Zeiten zu preisen: „Was die alten Römer erfanden, ist bis heute perfekt.“ Der saluto romano wird von ihm und seinesgleichen mit hochgerecktem rechten Arm praktiziert. Ein gewisser Benito Mussolini interpretierte ihn als saluto fascista, in Deutschland reüssierte er dann als Hitlergruß. Auch in Italien ist diese Art des In-die-Luft-Stoßens verboten. Bei Strafe. Wenigstens steht es so im Gesetz.

Wenn Leute glauben wollten, die Geschichte beginne erst mit der Oktoberrevolution oder in den 1920er Jahren, sei das ihr Problem, sagt der Kandidat Michetti. Als Römer beziehe er sich nur auf den Gruß der Römer.

Soso. Na, dann schauen wir mal auf die Herren Marc Aurel und Augustus:

Zugegeben hygienisch. Sieht aber gar nicht so zackig aus wie bei den alten und neuen Faschos. Eher nach lässigem Winke-Winke.

Hingegen hier zum Beispiel Paolo Di Canio, beim Gruß an sein Lazio-Kurvenvolk (hat ihn seinerzeit Bußgeld und Sperre gekostet):

Seit Mussolini versucht die italienische Rechte, die Antike für sich zu vereinnahmen. Und so wird aus dem faschistischen Arme-Hochreißen halt wieder der Gruß der Caesaren. Kein Problem in einer Stadt, wo noch fast jeder Kiosk Duce-Kalender verkauft und wo der neofaschistische Schlägertrupp „Casa Pound“ eine richterliche Verfügung ignorieren darf, um unverdrossen weiter ein ganzes Haus in der Innenstadt zu besetzen. Kommt eh keiner, um zu räumen. Wenn Michetti wirklich Bürgermeister würde, hätten diese Typen gar nichts zu befürchten.

Unter linken Stadtverwaltungen durften sie ja schließlich auch machen, was sie wollten.

Ceterum censeo

So lustig, dass deutsche Sportjournalisten tatsächlich immer noch „Alte Dame“ schreiben, wenn Juventus gemeint ist. Und „Ronaldo“, als wenn das der Nachname von CR 7 wäre:

https://www.zeit.de/sport/2021-05/cristiano-ronaldo-juventus-turin-abschied

Die Schweizer verwenden übrigens die italienischen Namen. Juventus, Lazio, Inter – statt Turin, Rom und Mailand. Denn letzteres ist missverständlich und im Falle von Juve und Inter vollkommen widersinnig. Diese Klubs verstehen sich einfach nicht als Stadt-Vereine. Lazio ist sowieso der Name einer Region.

Vor vielen Jahren, als ich (leider nicht auf Dauer) die italienischen Bezeichnungen in meinen Texten durchgesetzt hatte, schrieb mir mal ein Schweizer Leser: „Jetzt sind Sie ein Profi.“

Habe ich mir eingerahmt. Und warte seither darauf, dass in den Sportteilen die Demontage der alten Wortbauklötze beginnt. Torschützenkönig. Maximalblamage. Kickender Multimillionär. Puh!

Dass Cristiano Ronaldo der Juve viel mehr Geld eingebracht als abgenommen hat, das hat sich inzwischen eigentlich auch herumgesprochen. Nur halt nicht überall.

Römische Spalte

Die Via Zenodossio ist eine ganz normale Vorortstraße in Rom, nur wenige hundert Meter vom Kneipenviertel Pigneto im aufstrebenden Torpignattara gelegen. Heute mittag tat sich da auf einmal der Boden auf. Und zwei geparkte Autos wurden verschluckt.

Nicht, dass man sich sonderlich darüber aufgeregt hätte (außer den BesitzerInnen der Wagen). Vor einigen Monaten war plötzlich vor einem Wohnhaus in unmittelbarer Nähe des Kolosseums der Asphalt aufgerissen. Darunter nicht der Strand, sondern ein Abgrund, der es den Anwohnern verbot, ihr Haus zu betreten, bis die Straße geflickt war. Pazienza, Geduld, ist das Einzige, was RömerInnen gerade im Überfluss haben.

Die Krater in den Straßen, die brennenden Autobusse, die Müllberge hatten wir ja fast vergessen in einer Krise, die größer als das alles ist. Aber jetzt, da sich die Stadt auf den neuerlichen Ansturm der TouristInnen einstellt, sind die Probleme des Alltags wieder da.

Dabei hat Rom doch einst ganz Europa mit Straßen versorgt.