Ferragosto

Der 15. August, auf den die katholische Kirche so listig die Himmelfahrt Mariens verlegte, ist als Ferragosto der wichtigste Feiertag im italienischen Jahr. Angeblich hat Augustus ihn 18 v. Chr. eingeführt, der Name (Ferien des Augustus) deutet darauf hin. Tatsache ist, dass an Ferragosto vermutlich weniger gearbeitet wird als zu Weihnachten. Italien liegt am Strand und futtert – und wir wollen da keine Ausnahme machen.

Aber wir fahren erst abends an den See. 20170806_201824

Eintauchen, wenn die Hitze nachlässt und der schwarze Sandstrand sich nach dem Ansturm der Massen langsam wieder leert. Sowieso merkwürdig in Italien: Gewässer aller Art werden kaum zum Schwimmen genutzt. Eher zum Erfrischen der unteren Körperhälfte.  Man stakst vorsichtig ins Wasser, bis zur Hüfte, bleibt dann stehen und quatscht ausgiebig mit der Begleitung. Macht aber keinen Schritt weiter. Im See schwimmt man ja noch weniger als im Meer, weil man den Grund nicht sehen kann.

Wie unheimlich! Im Lago di Bolsena ist das Wasser so klar, dass der Grund immer sichtbar ist. Nur ist er schwarz. Noch unheimlicher!

Die Sonne geht unter hinter der Silhouette von Capodimonte. Und das Licht wird jetzt ganz weich.

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Nur die Fischer sind zu dieser Stunde noch unterwegs – und ein paar Mücken, aber was macht das schon.

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Es könnte ewig so Sommer sein am Lago di Bolsena. Wochen der Hitze und der Dürre sind plötzlich vergessen. Nur noch die pure Ferragosto-Essenz.

Aber jetzt nicht schwärmen. Sondern essen.

20170806_205700Blaue Stunde am Lago. Der Fisch, gegrillt mit etwas Rosmarin, kommt quasi direkt aus dem Wasser. Der Wein aus dem Krater des erloschenen Vulkans.

Buon Ferragosto a tutti.

Supercoppa

Ja, Juventus ist zu schlagen, auch in Italien. Dass Bonucci nicht mehr da ist, macht sich natürlich bemerkbar – und dass der Rest wie zu jedem Saisonbeginn eine Baustelle ist, auch. Lazio hingegen präsentiert sich wie aus einem Guss, motiviert bis zum Anschlag für eine Partie, „die wir seit Juli vorbereiten“, wie Trainer Simone Inzaghi gesteht. Vollkommen verdient gewinnen die Laziali 3:2, mit einem Doppelpack des in Dortmund so unbeweglichen Ciro Immobile. Juve reichen zwei Tore von Dybala nicht.

Soccer Italy Supercup

Nun geht das ja schon seit Jahren so, dass Juve eher tapsig in die nächste Runde findet. Und am Ende schaffen sie es dann doch. Diesmal aber kommt das Cardiff-Trauma hinzu. Zweimal in drei Jahren das Champions-Finale zu erreichen und dann zu verlieren, das hinterlässt Spuren. Angefangen bei Max Allegri, der in Cardiff spontan zurücktreten wollte. Und bei einer Mannschaft, die sich immer auf ihre Defensive verlassen konnte. Bis zum 1:4 gegen Real Madrid. Aber auch in Rom sah man, dass die berühmte Abwehr schwächelt. Bonucci ist nicht so leicht zu ersetzen. Und die anderen sind einfach nicht mehr taufrisch. Buffon hat schon gesagt, dass er seine letzte Saison einläutet. Für Barzagli ist das Karrierende auch nicht mehr ganz so weit. Und Chiellini denkt an seinen zweiten Master, hat also sowieso einen Plan B.

Man wird sehen. Lazio ist jedenfalls kein Kandidat für das Titelduell, eher schon Napoli. Die Roma spielt diesmal CL, wird den 2. Platz vom Vorjahr aber kaum erreichen können: Zu viele sind gegangen, kaum jemand ist gekommen.

Der Gott als Lehrling

Francesco Totti hat die längsten Ferien seit seiner Schulzeit beendet. Und arbeitet wieder, wie schon seit 25 Jahren, bei der Roma. Aber jetzt trägt er lange Hosen.

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Totti spielt nicht mehr, er ist Lehrling im Management (der Herr links ist kein Leibwächter, sondern der neue Sportdirektor Monchi).

Nein, wir sind auch nicht glücklich darüber. Kinder, wie die Zeit vergeht.

Kopf hoch, Capitano!

Die Sammlung des Herrn Jiang

Die Musik spielt in Madrid, München und vielleicht sogar demnächst in Paris. Nicht zu vergessen: London, wo Abramowitsch wegen seiner 17. Ehescheidung in diesem Sommer leider nicht ganz so viele Spieler für den FC Chelsea kaufen kann. Große Oper!

Aber was passiert eigentlich in der Fußballprovinz? Nun, da lohnt es sich durchaus, genauer hinzuschauen. Womöglich entdeckt man da unbekannte chinesische Unternehmer auf Shopping-Tour. So wie Herrn Jiang, der nach Stationen in Granada und Löwen jetzt in Parma aufgekreuzt ist. Um dort um einen Klub zu schachern, der Verdis Triumphmarsch als Hymne hat, kürzlich noch dröhnend Pleite gegangen ist, und nun schon wieder in der 2. Liga spielt. In den unteren Ligen ist Europas Fußball mindestens so globalisiert wie an der Spitze. Mit Präsidenten, die oft noch nicht mal einen Satz in der Landessprache herausbringen. So wie Herr Jiang in Parma.

Prinz Deckweiß

Das Verrückteste an dem verrückten Neymar-Transfer ist, dass der Mann sein Geld ja gar nicht wert ist. Es handelt sich hier nicht um den besten Spieler der Welt und auch nicht um den zweitbesten, sondern lediglich um einen von vielen talentierten Angreifern. Mit anderen Worten: Neymar ist im Gegensatz zu CR7 oder auch Messi austauschbar. Er ist kein Spielmacher, kein Architekt, und ihm fehlt jener Anstrich von genialischer Fantasie, die den echten Ausnahmespieler ausmacht.

Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass die Scheichs von Katar der Welt zeigen können, wieviel Kohle ergo Macht sie haben. Sie hätten sich auch ein, zwei Bilder von, sagen wir, Matisse kaufen können oder ein halbes Stadtviertel in London. Haben sie ja alles schon.

Erreicht der Transferwahnsinn mit der Neymar-Sache eine neue Qualität? Vielleicht. Es war immer schon so, dass die großen Klubs für Fußballer Fantasiesummen zahlten, aber noch nie so, dass die Konkurrenz so gnadenlos gedemütigt wurde. Katar sagt: Was kostet die Welt? Wir zahlen.

Das ist, wenn man an die angeblichen Verbindungen zum IS-Terror denkt, aus ganz anderen Gründen beängstigend. Und die deutschen Fußball-Schrebergärtner starren noch auf Red Bull Leipzig.

Merci Madame

Jeanne Moreau ist tot, steinalt geworden und offenbar allein in ihrer Wohnung gestorben, was natürlich abgrundtief traurig ist. Und die SZ bringt online ein zehn Jahre altes Interview mit der Schauspielerin von Alexander Gorkow, was einfach herrlich ist. Nachher weiß man gar nicht, was man trister finden soll: Dass wir Madame Moreau nun nicht mehr erleben dürfen. Oder dass Gorkow keine langen Interviews mehr macht.