Auf der Rewerbahn

Dem Lieblingsrömer ist nach Pizza, er will eine holen von nebenan. „Auf keinen Fall“, sage ich, „die können ja noch nicht mal Mozzarella richtig schreiben.“ In der Pizzeria nebenan, italienisches Traditionsgasthaus seit über vierzig Jahren, gibt es Pizza mit Käse und Pizza mit „Mozarella“. Unter Käse verstehen die Pizzabäcker von nebenan Gouda. Schinken übersetzen sie mit: Formfleisch.

„Was ist das?“ fragt der Lieblingsrömer. „Das willst du nicht wissen“, sage ich, „und ich übrigens auch nicht. Irgendein Hundefutter.“

Als mein Schwiegervater 1966 mit seinen beiden älteren Söhnen eine Campingreise den Rhein herunter machte – meine Schwiegermutter forschte damals in Amsterdam – da erwischten die Jungs in einem deutschen Supermarkt mal aus Versehen eine Dose Hundefutter. Das Abendessen war kein großer Erfolg und mein Schwiegervater blieb seitdem ewig misstrauisch gegen deutsche Küchenerzeugnisse. Weil meistens ich als Köchin für Familienfeste im Einsatz war, gab meine Schwiegermutter mir vorsichtshalber Wochen im voraus ihre Menüwünsche durch, mit genauen Rezeptangaben.

Durch die Schule meiner Familie bin ich zur Küchenitalienerin mutiert. Deutschland ist kulinarisches Ausland, manchmal richtig exotisch. Wenn der Lieblingsrömer etwa anregt, wir sollten „auf die Rewerbahn“ gehen (gemeint ist die im Lockdown einzig mögliche Lustmeile im Rewe), dann bestaunen wir fasziniert die mit Sauerkraut, Gurken, Rotkohl und Apfelmus überfüllten Regale. Das müssen die deutschen Lieblingskonserven sein, sonst gäbe es nicht so viel davon.

Allein die Namen: Burgergurken und Ananas-Kraut, Apfelrotkohl und Senfgurken. Toll, toll, toll. Soviel Sorten gibt es in Italien allenfalls bei der Pasta. Hier beschränkt man sich auf Spaghetti, Fusilli und Penne, also da geht noch was. Mich irritiert, dass auf den meisten Produkten nicht draufsteht, wo sie herkommen. Egal ob Zucker oder Hülsenfrüchte, Reis oder Marmelade, die Herkunft ist fast immer ungewiss. Noch nicht einmal beim Fleisch muss sie angegeben werden, dafür gibt es in Deutschland keine Käfigeier mehr: Punkt für die Rewerbahn. Bei Bio und Fairtrade steht es Unentschieden.

Mit Bio-Dosentomaten, Burrata und Sardellen geht es zurück in die Küche. Der Hefeteig ist schnell gemacht, die Pizza sowieso.

Während sie backt, finde ich noch ein paar Highlights von den „italienischen“ Speisekarten unserer kleinen Stadt. „Carbonara“ mit Sahne und Speck, „Aglio e Olio“ mit Cocktailtomaten, Sellerie und Parmesan, „Penne Alberto“ mit Filetstreifen, Sahne und Champignons, „Penne Pesto“ mit Sahne und Basilikum – und als absoluter Grusel-Favorit Bandnudeln mit Lachs-Proseccosauce.

Die Prosecco-Sauce hatte mich mal bei lieben Freunden erwischt, die liebenswürdigerweise gekocht hatten: Lasagne mit Wirsing, Lachs, Sahne und eben Dosen-Prosecco. Es war sehr exotisch, ein paar Ananasstücke hätten eigentlich gut dazu gepasst.

ItalienerInnen sind zugegebenermaßen Küchensnobs. Liegt aber auch daran, dass die italienische Küche mehrheitlich sehr einfach ist und man sich eigentlich Mühe geben muss, sie zu verhunzen. Für die meisten Gerichte reichen nur wenige Zutaten, die müssen halt gut sein. In Deutschland hingegen gibt es immer noch den Drang zu „Mehr ist mehr.“ Man sieht es zum Beispiel in der Zeitschrift „Essen und Trinken.“ Da arbeiten geschätzte Profis mit Redaktionsküche, genau wie bei „La Cucina Italiana.“ Doch die Zutatenliste bei den deutschen Rezepten ist immer viel länger. Anstatt Zwiebeln oder Knoblauch, Butter oder Öl, Petersilie oder Basilikum, Essig oder Zitrone wird immer beides genommen, Sahne ist immer noch allgegenwärtig und der Bierteig für Backfisch wird mit Koriander, Kreuzkümmel und Chili gleich dreifach überladen. Dazu noch Paprika-Remoulade, wer soll das aushalten?

Weniger ist mehr, dann klappt es auch mit der italo-deutschen Fusionküche. Zum Steckrübenrisotto etwa die Rübe klein würfeln, mit einer (!!!) Knoblauchzehe und einer Winzigkeit Orange anbraten, zehn Minuten schmoren lassen, den Reis draufgeben und mit wenig Wasser garen. Kein Wein, keine Sahne, nur zum Schluss ein wenig Parmesan. Safran ist möglich.

Wenn ich noch fauler bin, werfe ich geputzte und halbierte Rosenkohl-Röschen mit den Nudeln ins Wasser, gieße nach zehn Minuten alles zusammen ab und röste es kurz mit Knoblauch, Paniermehl und Olivenöl in der Pfanne. Kein Parmesan. Mit Grünkohl funktioniert dieses Gericht genauso gut. Was auch ganz schnell geht: Pesto aus blanchierten Wirsingblättern, Mandeln und Pecorino-Käse, dito aus rohem Radicchio, Walnüssen, ein bisschen Gorgonzola.

Das Gemüse gibt’s natürlich auf dem Markt. Wunderbarer deutscher Winterkohl! Ein letzter Tipp: Endiviensalat kurz kochen und anschließend mit Kapern und Knofel in der Pfanne schmoren. Schmeckt hervorragend als Pizzabelag! Oder zum Speckkuchen.

Soviel aus der Küche. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Post vom Fürsten

Emanuele Filiberto, 48, Fürst von Venedig und Piemont und Enkel des letzten italienischen Königs Umberto II., hat sich in einem Brief an die jüdischen Gemeinden Italiens dafür entschuldigt, dass sein Urgroßvater König Vittorio Emanuele III. 1938 die faschistischen „Rassegesetze“ unterzeichnet hat. Der Ton ist genauso aufgeblasen wie die ganze Persönlichkeit des „Chefs des Hauses Savoyen“, wie sich E.F. nennen lässt – auch auf die Anrede „Königliche Hoheit“ legt er Wert, obwohl Adelstitel in der Republik Italien eigentlich abgeschafft sind: „Ich schreibe euch mit offenem Herzen einen Brief, der mir sicherlich nicht leicht fällt, weil ich es richtig finde, ein für allemal für die Familie die ich heute repräsentiere, im Namen ihrer tausendjährigen Geschichte die Rechnungen mit der Geschichte zu begleiten.“

Die Savoyer regierten Italien zwischen 1861 und 1946, es handelte sich also nicht exakt um ein, pardon, Tausendjähriges Reich. Wegen ihrer Mauschelei mit dem Faschismus wurde die Familie 1948 ins Exil geschickt – die Monarchie war zuvor per Volksabstimmung abgeschafft wurden. Bis 2002 durften die männlichen Mitglieder des Hauses Savoyen nicht nach Italien einreisen. Emanuele Filiberto wuchs als einziges Kind von Prinz Vittorio Emanuele und der Erbin eines ligurischen Keksfabrikanten in der Schweiz auf. Der Vater wurde berüchtigt durch den „Jagdunfall“, bei dem er 1978 den jungen Deutschen Dirk Hamer (Sohn des ebenfalls berüchtigten „Wunderheilers“ Geerd Hamer) erschoss und hatte auch später immer mal wieder Probleme mit der Justiz. 

Emanuele Filiberto führt seit Kindertagen ein Jet-Set-Leben, allerdings ohne richtigen Beruf oder angemessene Beschäftigung. Die Uni brach er ab, danach versuchte er sein Glück ein bisschen in der Finanzwelt, vor allem aber im Fernsehen. Da war er sich für nichts zu schade: Gurkenwerbung, Fußballreporter (für seinen Lieblingsklub Juventus), Tänzer, Sänger beim Schlagerfestival von San Remo, Juror bei Miss Italia, Dschungelcamp. Politische Aktivitäten scheiterten. Seine Partei „Werte und Zukunft mit Emanuele Filiberto“ holte bei den Parlamentswahlen 2008 gerade mal 0,4 Prozent und damit den letzten Platz. Ein Jahr später nahm die Königliche Hoheit bei der Europawahl einen neuen Anlauf mit der Zentrumspartei UDC: wieder nichts. Letztes Jahr hat er die Bewegung „Realität Italien“ gegründet, die wenigstens einen Trostpreis für den originellsten Namen gewinnen müsste, denn wenn E.F. mit irgendetwas beharrlich überhaupt nichts zu schaffen hat, dann mit der italienischen Realität. Mit seiner Frau, der französischen Schauspielerin Clotilde Courau und zwei gemeinsamen Töchtern lebt er in Montecarlo, von Italien kennt er vor allem das Autorennen Mille Miglia, das Stadion der Juve und die Fernsehstudios der RAI. 

Ein beeindruckender Realitätsverlust sprach auch aus seinem 2007 formulierten Antrag an den italienischen Staat, ihm und seiner Familie 260 Millionen Euro Schadensersatz für „moralisches Unrecht“ zu zahlen, das den armen Savoyern durch das „Zwangsexil“ und den Verlust der Heimat zugemutet worden sei. Emanuele und sein Vater forderten darüber hinaus der Rückgabe aller beschlagnahmten Güter. 

Von dieser ungeheuren Dreistigkeit bis zum Brief an die jüdischen Gemeinden war es sicher ein großer Schritt. Das muss Emanuele Filiberto bei aller Aufgeblasenheit zugestanden werden. Der Mann erinnert ohne Wenn und Aber an 7500 von Nazis und Faschisten ermordete jüdische Italiener und entschuldigt sich „offiziell und feierlich“ für das von seiner Familie begangene Unrecht.

Die Reaktion der jüdischen Gemeinden ist kühl. Man könne sich nur persönlich entschuldigen, erklärte der römische Oberrabbiner Riccardo Di Segni, ein überaus kluger und zurückhaltender Mann, der sich schon sein Leben lang für die Aussöhnung aber auch für eine italienische Vergangenheitsbewältigung engagiert. Um Verzeihung hätten also eher Emanuele Filibertos Vorfahren bitten müssen, sagte Di Segni. 

Haben sie nicht. Und nicht nur sie: Beim Nationalfeiertag am 25. April, dem Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Nationalsozialismus, sind die Vertreter der Jüdischen Partisanenbrigade bis heute nicht erwünscht, während Palästinensergruppen eingeladen werden. Der Antisemitismus der italienischen Linken ist mindestens genauso erschreckend wie der der Rechten. Judenhass oder Judenverachtung gehören auch in intellektuellen Kreisen zum guten Ton, während die Mussolini-Diktatur verharmlost wird. 

Und deshalb ist bemerkenswert, was E.F. in einem Interview zu seinem Brief hinzufügte. Sein Urgroßvater, der König, sei vollumfänglich dafür verantwortlich, dass 50.000 jüdische Italiener ihre Bürgerrechte verloren: „Aber bevor der König sie unterschrieb, waren diese Gesetze vom Parlament mit erdrückender Mehrheit verabschiedet worden. Ich habe um Verzeihung gebeten, doch ganz Italien müsste das tun.“

Die „Rassengesetze“ waren zunächst von der faschistisch besetzten Abgeordnetenkammer abgesegnet worden, die sich kurz danach auch offiziell in Camera dei Fasci e delle Corporazioni, also „Kammer der Verbände und Innungen“ umbenannte. Am 20 Dezember 1938 wurde die Vorlage im Senat eingebracht, dessen Mitglieder vom König ernannt waren. Zu den auf Lebenszeit berufenen Senatoren gehörte beispielsweise auch der spätere Staatspräsident Luigi Einaudi. Neun Senatoren waren Juden, vier von ihnen Mitglieder der faschistischen Partei. Zur Abstimmung über die „Rassengesetze“ erschienen die jüdischen Senatoren nicht. Von 164 anwesenden Senatoren stimmten neun dagegen. Allerdings waren zehn keine Faschisten.

Chapeau dem Gurkenprinz.

Oben bleiben

In der Krise beweist Giuseppe Conte Beharrlichkeit bei größtmöglicher Flexibilität. Er wankt, aber fällt nicht – zweifellos ein Qualitätsmerkmal. Jedenfalls, solange es nur darum geht, nicht unterzugehen, sondern weiter zu treiben und zu trudeln. Gerade, weil er so substanzlos ist, könnte Conte es auch diesmal schaffen, bald aber wird seine Substanzlosigkeit nicht nur für Italien ein großes Problem werden. Oben bleiben ist sein Selbstzweck, doch es ist kein Ziel.

Wofür steht Giuseppe Conte? Ursprünglich war er ein Mann der Schreihals-Bewegung Fünf Sterne, die den parteilosen Professor vor zweieinhalb Jahren als Ministerpräsidenten eines Kabinetts mit der rechtsradikalen Lega aus dem Hut zauberten. Ein Jahr später wurde Conte dann Regierungschef einer neuen Koalition der Fünf Sterne mit dem sozialdemokratischen PD. Allein, dass es ihm gelingt, mit derart unterschiedlichen Partnern zu funktionieren, beweist eine in der deutschen Politik ganz unvorstellbare Elastizität.

Es kam die Pandemie und damit eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Republik. Conte navigierte nun mit immer neuen Notverordnungen, die zumeist zu nächtlicher Stunde dem Volk bekannt gegeben wurden. In der Tragödie hielt er Kurs – oben bleiben. Alles andere war ohnehin nicht mehr wichtig, es ging ums blanke Überleben. Auch diesmal wird er es schaffen, denn sein Gegenspieler Matteo Renzi hat den Fehdehandschuh zu früh geworfen. Noch geht es nicht um Programme der Zukunft, um die Konkurrenzfähigkeit, um Klimaschutz und die Verteilung des gigantischen Wiederaufbauhilfe-Kuchens. Sondern um die Abwendung des Untergangs, falls sich die zweite Corona-Welle zu einem Tsunami auswächst.

Conte wird weiter treiben, irgendwie. Vielleicht ist sogar irgendwann Land in Sicht. Spätestens dann aber braucht man Ideen, Projekte und Risikobereitschaft, um nicht abgehängt zu werden. Da hilft kein Pater Pio, dessen Bild Conte tatsächlich in seiner Brieftasche trägt, und auch keine EU, für die der freundliche Professor natürlich das weitaus kleinere Übel ist, verglichen mit dem finsteren Menschenfeind Salvini. Conte verkörpert zweifellos das alte Italien, stets kompromissbereit und immer mit Einstecktuch. Er hat Manieren, er fällt nicht aus der Rolle, er kann moderieren. Bis morgen wird das reichen, für das Übermorgen aber könnte es heute schon zu spät sein.

Rettet das Sauerland!

Das Sauerland ist ja neuerdings ein wenig in Verruf gekommen, wegen eines gewissen Friedrich M.. Halb zu Recht, denn M. verkörpert in seiner brachial-reaktionären Art durchaus den typischen Sauerländer, oder besser: einen Typ Sauerländer, der auch 2021 noch erstaunlich verbreitet ist. Es sind Männer, die im Land der Schieferdach-Nester selbstverständlich weiter Kirchgang, Frühschoppen-Stammtisch und Schützenfest zelebrieren, auch wenn sie längst woanders das große Geld machen und den großen Auftritt haben. Die ihre alten Seilschaften mit Skat und Doppelkopf pflegen und ihre neuen Freunde gern auf die Rotwild-Jagd mitnehmen. Wo sonst gibt es so herrliche Sechzehnender! Dabei wären Frauen nur störend, aber Frauen haben in Seilschaften sowieso nichts zu suchen. Sauerländer wie Friedrich M. sind der Meinung, dass ihre seit Jahrzehnten währende Hetero-Ehe zu Genüge beweist, wie frauenfreundlich sie sind, da braucht es keine Quoten für die Verwaltungsräte. Der Gerechtigkeit halber soll erwähnt werden, dass Frau M. Führungsqualitäten als Chefin des Amtsgerichts in Arnsberg bewiesen hat. In einem Interview schwärmt Charlotte M. von den Kochkünsten ihres Mannes, am liebsten bereite er Spaghetti Frutti di Mare zu. Klingt natürlich viel weltläufiger als Hirschgulasch (Frau M, ist Kommunikationsprofi), lässt aber die drängende Frage unbeantwortet, woher denn in Arnsberg die passenden Zutaten für italienische Küsten-Nudeln kommen.

Nun, M. ist es ja dann definitiv nicht geworden.

Im allgemeinen Palaver um seine Person ging leider unter, dass es ein anderer Sauerländer vor gar nicht so langer Zeit durchaus zum Parteivorsitzenden gebracht hat: Franz Müntefering, ebenfalls aus Arnsberg, war für die SPD Parteichef, Minister, Vizekanzler – alles Posten, die Merz durch die Lappen gingen. Fraktionsvorsitzender immerhin schaffte er, bis Frau Merkel ihn abservierte. Mit Müntefering konnte Merkel gut, am Sauerland kann es also nicht gelegen haben.

Das Markanteste an Müntefering ist sein Sauerländer R. Die Westfalen aus der Ebene können das R nicht so schön rollen wie die Menschen vom Berge, sie haben eigentlich gar kein R, sondern an seiner Stelle ein A: Moagen, Kiache, Aabeit. Ganz abgesehen vom R scheint Müntefering weniger für das Sauerland zu stehen als Merz, obwohl sie den hier gar nicht aussprechen können: Meaz. Doch Müntefering – dritte Ehe mit einer 40 Jahre jüngeren Frau, eine lesbische Tochter, die weltoffenen Toleranz und der Drang nach links – das ist auch Sauerland. Zugegeben eine Minderheit. Im Hochsauerlandkreis, zu dem Arnsberg gehört (das Autokennzeichen HSK wird im Flachland interpretiert als „Hilfe, sie kommen!“) stimmten bei der letzten Bundestagswahl 41,7 Prozent für die CDU, 22,8 Prozent für die SPD, 14,3 Prozent für die FDP, 8 Prozent für die AFD, 5,4 Prozent für die Linke und 4,7 Prozent für die Grünen.

Immer noch vorherrschend: Die Draußen-nur-Kännchen-Mentalität, die Schweineschnitzel-Gaststätten „mit Zigeunersauce“ und die Weihnachtsbaum-Monokultur, die „Holland ist genug Ausland“-Fraktion und Leute, die unter religiöser Mischehe evangelisch-katholisch verstehen. Dabei könnte das Sauerland ein Umbrien Deutschlands sein, als Heimat kräftiger Biere und feiner Schinken, grandioser Hügellandschaften mit dichten Wäldern, saftigen Wiesen, lauschigen Quellbächen, aufregenden Tropfsteinhöhlen.

Aber das Sauerland ist krank, denn seine Wälder sterben. Tausende Hektar Fichtenwald sind verdorrt oder dem Borkenkäfer anheimgefallen, auch der Buchenwald siecht bereits dahin. Das dichte Netz der Wanderwege löst sich gerade auf im Matsch, den die schweren Holzfahrzeuge hinterlassen. Sie transportieren Tag für Tag Abermillionen von Fichtenstämmen ab in Richtung China, wo das Käferholz für die Bauwirtschaft dringend benötigt wird. Das laute Kreischen der Motorsägen durchdringt die Landschaft, es klingt wie ein großes Requiem auf den Wald. Dies irae. Wer sich in diesem düsteren Winter zum Wandern verziehen will, kann davor nicht weglaufen.

Der große Kahlschlag verwandelt das Sauerland in eine Mondlandschaft. Überall tote Fichten, Baumstümpfe, Grau statt Grün. Es ist kein Ende abzusehen, keine Besserung in Sicht.

Für Merz ist das Sterben seiner Heimatlandschaft verstörenderweise kein Thema. Deutschland hat im Moment sowieso andere Sorgen.

Aber wenn der Sommer kommt, wird der Wald nicht mehr da sein, werden die Touristen nicht mehr kommen, werden die Sauerländer nach der Pandemie ihre größte Krise allein bewältigen müssen.

Rettet das Sauerland.

Vergänglichkeit

So weit wie unten sind wir ja leider noch lange nicht. Von der Mohnwiese in Umbrien kann unsereins im Moment nur träumen, wobei Ende April ja auch nicht so weit weg ist. Und bis dahin gibt es zum Glück Tulpen. Aus dem Treibhaus und deshalb nicht Klima neutral, aber bitte: Medizin läuft klimatechnisch außer Konkurrenz und Blumen sind derzeit ein Antidepressivum ohne weitere Nebenwirkungen (Netflix-Serien sind wahrscheinlich die schlimmeren Klimakiller).

Die Nähe zu Holland beschert uns die schönsten Tulpen, in allen Farben. Am Blumenwagen auf dem Markt stehen die Leute an diesem grauen Januartag Schlange. Schönheit hilft! Menschen, die ohne Anlass Blumen kaufen, haben einen Sinn dafür. Sie sehnen sich nach der Schönheit. Sie geben Geld dafür aus, einfach so. Nein, nicht einfach so.

Beim Warten höre ich, wie die Leute vor mir die Blumenhändlerin fragen, wie lange die Blumen denn hielten. Alle fragen das. Ausnahmslos. Manche bemerken, dass die Tulpen jetzt noch nicht so haltbar seien, wie später im Frühjahr, wenn sie vom Feld kommen: „Aber geben sie mir trotzdem die roten.“ Trotzdem. Andere berichten, dass sie länger hielten, wenn man sie in ein kaltes Zimmer stelle. In die Kälte! Man müsste sich also entscheiden, ob man es warm haben möchte oder die Tulpen länger genießen will, bevor man sich neue kauft. Naja, genießen…

Die Sehnsucht nach Schönheit verursacht manchen offenbar ein schlechtes Gewissen. Sie haben gern Blumen aber sie schämen sich ein bisschen, dafür unnütz Geld auszugeben. Unnütz Geld auszugeben, ist für viele Deutsche eine Sünde, außer, es geht ums Volltanken. Sie buchen ihren Urlaub möglichst früh, um zu sparen (hat sich derzeit erledigt). Sie kaufen Champagner bei Aldi. Sie schmieren sich Melkfett ins Gesicht, anstatt den Kühen aufs Euter und Pferdesalbe auf den Rücken.

Als ich dran bin, frage ich nach den weißen Tulpen. Sie sind schon ein bisschen aufgegangen, sehr hübsch. Weiße Tulpen halten nicht so lange, das weiß ich von meiner Mutter. „Weiße Tulpen halten aber nicht so lange“, sagt die nette Blumenhändlerin. Aber sie sind schön, finde ich.

Blumen symbolisieren die Vergänglichkeit von Schönheit. Haltbare Blumen, ein Oxymoron. „Was du alles denkst, wenn du auf dem Markt bist“, sagt mein Lieblingsrömer, der in der Zwischenzeit aus dem westfälischen Homeoffice wieder ein paar StudentInnen in Indien und Aserbaidschan geprüft hat.

„Du bringst mir nie Blumen mit“, zicke ich zurück. Darauf er: „Wir Italiener sagen: Wer einfach so Blumen kauft, macht sich bloß verdächtig.“

Der Ego-Shooter

Matteo Renzi ist zweifellos eines der größten politischen Talente in Italien. Das Problem ist nur: Sein Talent, sich zu verzocken ist noch größer. Genau wie sein Ehrgeiz, seine Hybris und sein Mangel an Skrupeln. Seit Wochen versucht er, Giuseppe Conte mit der Androhung einer Regierungskrise zu erpressen. Vordergründig geht es um „Sachthemen“ wie die Verteilung der Corona-Hilfsgelder, in Wirklichkeit geht es darum, dass Renzi mitsamt seiner Mini-Partei „Italia Viva“ in der durch die Pandemie verursachten Krise zu wenig wahrgenommen wird. Die Leute interessieren sich für Conte, für den Gesundheitsminister, den Regionalminister (!) und die verstörend unfähige Schulministerin. Renzi und seine Getreuen sind seit dem Frühjahr zunehmend aus dem Blickfeld verschwunden. Italien hat gerade andere Sorgen.

Also verlässt er die Regierung, so wie er vor anderthalb Jahren schon seine alte Partei, die PD verließ. Und löst damit eine Regierungskrise aus, mitten in der zweiten Welle und in einer gigantischen Wirtschaftskrise. Renzis Rechnung scheint zunächst aufzugehen: Alle Augen sind auf ihn gerichtet, selbst im Ausland, wenn auch dort vermutlich nur für heute Abend.

Verräterisch sein Hinweis, er wolle die Regierung durchaus weiter unterstützen, wenn es darum gehe, eine Machtübernahme der Rechten zu verhindern. Der Mann sitzt halt gern am Drücker. Mal sehen, ob man ihn weiter mitspielen lässt. Die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht, noch besser stehen jene von Giuseppe Conte, weiter Regierungschef zu bleiben.

Laut Umfragen haben fast die Hälfte der ItalienerInnen nicht verstanden, worum es in dieser Regierungskrise eigentlich geht. Weitaus mehr halten das Theatergewitter für absolut überflüssig und kontraproduktiv. Sie wollen KrisenmanagerInnen statt Ego-Shooter. Und werden Renzi bei der nächsten Wahl wohl endgültig in den Souffleurkasten abschieben.

In Ruinen

Die nächste öffentliche Waschmaschine ist 23 Kilometer entfernt. In unserem Keller steht keine, dafür gibt es einen mittelalterlichen Brunnen, der beweist, dass hier auch schon vorgestern gewohnt wurde. In der Stadt, pittoresk und sehr verbeamtet, scheint es keinen Bedarf an Waschsalons zu geben. Also auf nach Lippstadt, Cappelstraße. Mein Lieblingsrömer ist gespannt, er war noch nie im Waschsalon. Ich bin auch gespannt, denn bei mir ist es Jahrzehnte her. Gab es damals schon Trockner? Wahrscheinlich, von mir aber aus Kostengründen nicht benutzt, weswegen der letzte Eindruck vom Waschsalon das Gewicht der nassen Wäsche in meinem Rucksack war.

Heute ist alles anders. Im Lippstädter Waschsalon steht eine Tchibo-Kaffeemaschine, die Waschmaschinen und Trockner sind neu und riesig, alles ist blitzsauber und Waschpulver gibt es umsonst, wie eine freundliche Dame erklärt. Sie gehört nicht zum Inventar, übernimmt aber sofort die Rolle der Gastgeberin. Ganz, als wohne sie hier. Außer ihr wäscht noch ein schweigsamer junger Mann.

Wir gehen spazieren. Waschzeit ist gewonnene Zeit. Man hat Sozialkontakte (im Salon). Man bewegt sich, während das Trömmelchen läuft. Also einmal um den Marktplatz und dann zur Stiftsruine.

Lippstadts größte Sehenswürdigkeit ist die Ruine der gotischen Kleinen Marienkirche. Eigenwerbung: „Schönste Kirchenruine Westfalens“, mag sein, ich kenne aber auch keine andere. Die Stiftsruine ist keine Kriegshinterlassenschaft und erst recht kein Mahnmal. Vielmehr war die Kleine Marienkirche schon 1819 derart baufällig, dass der Damenstift, dem sie gehörte, auf Instandhaltung verzichtete. Man beschloss, das Gotteshaus einfach verfallen zu lassen. Ohne Moos nichts los.

Eine gute Entscheidung, denn bald darauf kamen Ruinen schwer in Mode. Landschaftsmaler drapierten sie in ihre Bilder aus dem italienischen „Arkadien“ und im Park des Preußenschlosses Sanssouci in Potsdam wurde 1841 eigens ein Ruinenberg angelegt, mit künstlichen Resten, die das alte Rom und das antike Griechenland heraufbeschwören sollten. Der preußische Stararchitekt Schinkel träumte als unbestrittener Großmeister des Archäo-Kitsch sogar von der Überbauung der Athener Akropolis mit einer seiner eklektischen Palastanlagen – ein paar echte Ruinen wollte er dann in den Park integrieren, damit die Leute sehen konnten, dass er einerseits direkt von den alten Griechen abstammte, andererseits aber besser war.

Dazu wurde zum Glück nichts – auch, weil man den Marmor für Schinkels größenwahnsinnigen Palazzo Prozzo nicht beschaffen konnte. Ohne Moos auch hier nichts los, die Menschheit dankt. Der Wittelsbacher Otto zog als erster König von Griechenland in eine bescheidenere Stadtresidenz, das heutige Parlamentsgebäude, und die Griechen behielten ihre Tempel.

Zurück ins Lippstädter Flachland. Gleich hinter der Stiftsruine fließt die Lippe, der Fluß, an dem die Römer einst in Richtung Teuto entlang marschiert sind. Gotik sieht auch im Verfall noch gut aus, ein bisschen Schnee hätte glatt Caspar David Friedrich daraus gemacht. Mit Innenausstattung hätte sie mir allerdings noch besser gefallen.

Nach 58 Minuten ist die 15-Kilo-Maschine fertig. Zum Trocknen bleiben wir drin.

Was soll man sagen: Waschen bildet.

Winterreifen

Wir sind in Deutschland hängen geblieben, ist eine längere Geschichte. Es ist Winter, sogar im Flachland schneit es ein bisschen. Und das erste Mittelgebirge ist ja auch nur ein paar Kilometer entfernt.

„Wir brauchen Winterreifen“, sage ich meinem Lieblingsrömer.

Er schaut von seinem Frühstücksteller hoch. Aus mir unerfindlichen Gründen verzehrt er hier morgens Zuckerbomben, die unter dem Namen Campingbrötchen verkauft werden. Wenn Camperinnen die Zielgruppe sind, muss ich sagen: Wir campen nicht.

„Winterreifen“, sagt er „sind was für Deutsche. Die können nicht Autofahren.“

„Deutsche können nicht einparken“, sage ich. „Aber mit Winter kennen wir uns aus.“

Zuletzt hatten wir diese Diskussion vor exakt elf Jahren. Er musste beruflich von Westfalen nach Zürich, mit dem Zug. Ich kutschierte die Kinder mit dem Auto zurück nach Italien. In Deutschland sprachen alle nur über den bevorstehenden Sturm Daisy. Man war aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Die Autobahnen würden leer sein, prophezeite ich damals, aber ich brauche Winterreifen.

Nach fünf Tagen hitziger Debatte hatte ich sie. Die Autobahnen waren leer. An den Rändern hingen verlassene Autos fest, deren Fahrer offenbar aufgegeben hatten und von irgendwelchen Rettungsdiensten nach Hause gebracht worden waren. Wir rauschten im Rekordtempo durch bis zur österreichischen Grenze, wo wir bei Freunden übernachteten, und am nächsten Tag nach Rom. Daisy war kein Problem für mich. Auch nicht die sieben Stunden und 19 Minuten „Ensel und Krete“-Hörbuch von Walter Moers. Grummligrummligrummligrummli. Heute knallt mir der Sohn Schostakowitsch rein oder Lena Platonos, zweifellos die ultimative Autobahnmusik.

Mein Lieblingsrömer lenkt diesmal verdächtig schnell ein. Es könnte damit zu tun haben, dass wir diesmal zusammen zurückfahren werden. Vielleicht ist es auch Altersmilde.

Wir stellen fest, dass man zum Winterreifen-Aufziehen einen Termin braucht, wie beim Zahnarzt. Der nächste Termin ist kommende Woche. Mein Zahnarzt ist übrigens schneller.

„Ich fahre die Werkstätten ab“, verkündet er. „Das wollen wir doch mal sehen.“

Anderthalb Stunden später haben wir neue Reifen. Wintertaugliche. Der Kompromiss. „Nach 60 Kilometern müssen wir die Muttern nachziehen“, grinst er. „Und du parkst ein.“

Das Original

Lassen wir die Kirche doch mal im Dorf: Das Kapitol ist ein Hügel in Rom. Der gleichnamige Komplex in Washington bezieht sich auf den römischen Berg, weil dieser von alters her als der wichtigste der sieben Hügel in der Ewigen Stadt galt, als Caput Mundi, Haupt der Welt. Der Sitz des Jupiter-Tempels befand sich hier, zum Tode Verurteilte wurden gleich hinter dem Heiligtum in eine Tuffsteinschlucht gestürzt – und bis auf den heutigen Tag ist das Kapitol, inzwischen Campidoglio, das Zentrum des alten Straßen-Netzes. Alle Wege nach Rom werden an ihrer Entfernung zum Kapitol gemessen.

Persönlich habe ich eine enge Beziehung zum Kapitol, weil ich Anno 1996 im Standesamt unten rechts meinen Lieblingsrömer geheiratet habe – im Beisein eines Verkehrspolizisten, auf dessen weißem Helm der Schriftzug SPQR prangte. Senatus Populusque Romanus, Senat und Volk der Stadt Rom.

Mit dem Volk haben die Kapitol-Stürmer von Washington natürlich ebenso wenig zu tun wie jene, die sich auf deutschen Straßen (und Internetforen) lautstark als solches ausgeben. Diese Leute sind nicht mehr und nicht weniger Volk als du, ich und jede andere Biene. Dass sie partout bestimmen wollen, wer zum Volk dazu gehört und vor allem, wer nicht, ist ausgesprochen gruselig. Solche Anmaßung hat in der Geschichte durchgängig für den größten Ärger gesorgt. In Washington ist es gerade nochmal gut gegangen. Das Kapitol steht noch und Trump tritt bald ab. Man kann sich nur wünschen, dass die Garden demnächst genauso schnell auf den Plan treten, wenn der Mob nicht in den heiligen Hallen der Demokratie wütet, sondern gegen Menschen, deren Hautfarbe, Geschlecht oder Frisur ihm nicht passt.

Der Senat im alten Rom tagte gewöhnlich nicht auf dem Kapitol, sondern versammelte sich an anderen Plätzen. Caesar wurde im Pompeius-Theater ermordet, Augustus berief den Oligarchen-Rat in seine Residenz auf dem Palatin ein – der Nachbarhügel wurde Namens gebend etwa für den deutschen „Palast“ und das englische „Palace“. Auf das Kapitol zogen sich die Senatoren nur dann zurück, wenn die Lage richtig brenzlig wurde, weil man sich auf der Anhöhe besser verteidigen konnte. Als im Januar des Jahres 41 nach der Ermordung von Kaiser Gaius, genannt Caligula ein neuer Herrscher gewählt werden sollte, verschanzte sich der Senat auf dem Kapitol vor dem Volk, bei dem Caligula wegen seiner großzügigen Brot- und Geldspenden ziemlich beliebt gewesen war. Die Senatoren aber hassten ihn inbrünstig und ließen ihn am Ende umbringen, weil er sie ausgepresst hatte wie Zitronen und sie zeitweise sogar gezwungen, in seinem gigantischen Palast zur Miete zu wohnen. Das wäre, als wenn Trump die Clintons genötigt hätte, zugige und unrenovierte Gästezimmer im Weißen Haus zu beziehen und dafür Millionen auf sein persönliches Konto zu überweisen.

Nun, wer weiß, was wir aus Washington noch alles erfahren werden. In Rom jedenfalls blieb der Volkssturm auf das Kapitol vor 1980 Jahren aus. Während die Senatoren hitzig darüber debattierten, wer von ihnen neuer Herrscher werden solle, rief das Militär schon Caligula Onkel Claudius zum Kaiser aus. Kunststück, hatte er doch jedem Soldaten 15.000 Sesterzen, schlappe 15 Jahresgehälter, als Prämie geboten. Dem Senat blieb da nur noch, den Putsch abzunicken.

Was lehrt uns das? Erstens: Die Kopie ist immer blasser als das Original. Zweitens: Nichts Neues unter der Sonne. Und drittens: Die Geschichten über Caligula und Claudius sind in den Versionen von Sueton und Tacitus in die Weltliteratur eingegangen .

Von Trump aber bleibt nur Twitter.

Willkommen in der Hölle

Keine Angst, es ist die schönste Hölle, die je erdacht worden ist. Denn 2021 ist das Dante-Jahr – am 14. September 1321, also vor 700 Jahren starb Dante Alighieri fern seiner Heimatstadt Florenz im Exil in Ravenna. In Deutschland lesen Dante nur noch eine Handvoll Literatur- und Italienverrückter, in Italien ist er viel mehr als ein Dichterfürst. Niemand käme auf die schwachsinnige Idee, Filme unter dem Titel Fuck you Dante ins Kino zu bringen. Stattdessen wird seine Komödie in den Schulen gelesen. Jahrelang! Kein Italiener, keine Italienerin machen Abitur, ohne die göttlichen Verse studiert zu haben, mit der zwingenden Erkenntnis, dass die Hölle dem Paradies vorzuziehen ist. Da ist einfach mehr los, da tummeln sich die interessanteren Leute.

In Dantes Welt tauchen nicht nur die Zeitgenossen auf, sondern auch die Altvorderen aus der römischen und griechischen Antike. In Dantes Welt kann man nicht nur im Moment wundervoll abtauchen, kann sich auf eine Reise begeben wie in ein fernes Land. Eine Reise, die immer neue, faszinierende Entdeckungen bereit hält, exotische Gedankengänge, aber auch heimatliche Anwandlungen. Als Guide bietet sich an: Roberto Benigni, dessen Dante-Interpretation in Italien längst Kult ist. Und dann gibt es die Initiative der italienischen Sprachakademie Accademia della Crusca. Jeden Tag stellen die SprachforscherInnen ein Dante-Wort vor, heute ist es „bella persona.“ Die „schöne Person“ stand bei Dante noch für eine ästhetisch angenehme Präsenz, inzwischen beschreibt „bella persona“ die gesamte Persönlichkeit. Eines meiner italienischen Lieblingswörter, ins Deutsche leider nur unzureichend übersetzbar.

In diesem Sinne: Fahrt zur Hölle!